Bremen Früher waren es die Pfeile von Liebesgott Amor, die eine Beziehung anbahnten. Heute sind es die Finger auf dem Smartphone, die auf der Suche nach größtmöglicher Übereinstimmung in Dating-Portalen wie Tinder über den Bildschirm wischen. Ein Spannungsverhältnis, dem die Bremer Kunsthalle von diesem Samstag an mit ihrer Ausstellung „What is love? Von Amor bis Tinder“ nachgeht.

„Wir zeigen erstmals in einem Museum eine Auswahl zeitgenössischer Werke mit Bezug zum Online-Dating und stellen ihnen historische Bilder zum Thema Liebe aus unserer Sammlung gegenüber“, sagt Kuratorin Jasmin Mickein.

Start mit Adam und Eva

Bis zum 21. Oktober sind in fünf Kapiteln rund 60 Gemälde, Fotografien und Skulpturen zu sehen, gezeigt vor rot-violetter Wandfarbe. Darunter befinden sich Arbeiten von Edvard Munch, Pablo Picasso und Anselm Feuerbach. Mit Online-Dating befassen sich der australische Künstler Tully Arnot, die türkische Fotografin Eylül Aslan, die indische Illustratorin Indu Harikumar, der Niederländer Dries Verhoeven und das Bremer Künstlertrio Katharina Dacrés, Lena Heins und Jakob Weth.

Los geht es im wahrsten Sinne des Wortes bei Adam und Eva: Mickein sucht zunächst nach den Vorbildern für Partnerschaft in der christlichen Bildtradition. Anschließend nimmt die Ausstellung reale Paare unter die Lupe, befasst sich dann mit der Selbstliebe, erzählt Geschichten von der Schönheit und kommt schließlich zur Sache, zum Sex.

Im Vergleich zwischen Vergangenheit und Gegenwart werde deutlich, dass das Internet neben Bar und Party neue Orte etabliert habe, um sich zu treffen, sagte Mickein, schränkt aber gleich ein: „Neue Technologien ändern, wie wir jemanden umwerben, aber nicht, wie wir lieben.“

Unser Paarungs- und Reproduktionsverhalten werde von einem Bereich im Gehirn beeinflusst, der sich bereits vor über vier Millionen Jahren entwickelt habe und sich nicht durch eine vergleichsweise junge Technologie verändere, zitierte sie die amerikanische Anthropologin Helen Fisher.

So bleibt man glücklich

Als Indiz führt sie das System der Matching-Points in Dating-Apps an, die suggerieren, dass ein Mensch mit den richtigen Eigenschaften am besten zu einem passt – als wäre der Partner ein Schuh und gefragt wäre nur die richtige Größe. „Im realen Leben geht es dann aber über Erfahrungen wie Gestik, Mimik, Humor und den Körpergeruch, die sich alle kaum oder gar nicht über Dating-Portale vermitteln lassen“, sagte Mickein.

Wie individuell überdies das Verständnis von Schönheit ist, zeigt ein Buchprojekt der Türkin Eylül Aslan, die in Berlin lebt und mit einigen Fotografien in der Ausstellung vertreten ist. Sie hat Männer getroffen, die sie auf Tinder kennengelernt hat und sie gefragt, was sie an ihrem männlichen Körper mögen und was nicht.

Außerdem bat sie die Männer, ihren weiblichen Körper gleichermaßen zu bewerten. Ihre Bilanz, zugleich ein Ratschlag: „Zeigt euch, wie ihr seid – und ihr bleibt glücklich.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.