Bremen Tagelang hat der niederländische Performer Dries Verhoeven im Container gelebt und einzig über Grindr, einer Dating-App für Schwule, Kontakt mit der Außenwelt aufgenommen. Mit den Bekanntschaften seiner Kunstexperimente „Wanna Play?“ in Berlin und Utrecht hat er dann gebacken, getanzt und geredet. Schneller Sex war tabu. „Wenn nur noch Sex über unseren Marktwert entscheidet, werden Zärtlichkeit und Verletzlichkeit zu Tabus“, sagte Verhoeven jetzt.

Die Dokumentation der Verhoeven-Performance ist ab 7. Juli in Bremen zu sehen. Die Ausstellung „What is Love? Von Amor bis Tinder“ der Kunsthalle Bremen zeigt dann mehr als 40 Kunstwerke zum Thema Eros, Narzissmus und Online-Dating. In einer Art Liebeshöhle mit roten Plüschsofas treffen Gemälde von Anselm Feuerbach, Pablo Picasso und Edvard Munch auf Gegenwartskunst. Ein australischer Künstler hat einen Silikonfinger konstruiert, der pausenlos über die Profile einer Dating-App wischt.

„What is Love?“ reicht von Adam und Eva bis zu aktuellen Dating-Apps, so Kuratorin Jasmin Mickein. Dabei gehe es auch um Tinder, eine der in Deutschland meist diskutierten Dating-Apps. Zu den jüngsten Künstlern der Schau gehört Eylül Aslan, die heute in Berlin lebt. Ihr Fotobuch setzt sich mit „Trompe-l’?il“, also der visuellen Täuschung bei Online-Dates, auseinander. Über Tinder hatte Aslan 20 Männer gesucht, sie getroffen und gefragt, was diese am Körper der Künstlerin und an sich selbst mögen und was nicht. Doppelkinn nein, Bauch ja – diese Details hat die 28-Jährige fotografiert. Die größte Überraschung für die Türkin: „Ich habe immer gehört, dass die Leute meine Augen so schön finden, aber fast niemand hat sie hier als hübsch eingeordnet.“ Zwölf von Aslans hoch sensiblen Fotos zeigen jetzt in Bremen, wie oberflächlich die Selbstinszenierungen sein können.

Katharina Dacrés, Lena Heins und Jakob Weth von der Hochschule für Künste Bremen führen mit ihrem Video „>3“ die Unnatürlichkeit vieler Chats vor Augen: Mann und Frau sitzen sich gegenüber, ohne aufeinander zu reagieren.

Hauptsponsor der Ausstellung ist Tinder selbst, ein 2012 gegründetes US-Unternehmen. Die gleichnamige Dating-App für die Zielgruppe der 18 bis 35-Jährigen ist einer Sprecherin der Firma zufolge in 190 Ländern rund um den Globus verfügbar. Tinder habe keinen Einfluss auf den Inhalt der Ausstellung genommen, heißt es.

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