Bonn Den Umgang mit ungeraden Takten hat er auf dem Rücken der Pferde gelernt. Auf den Ritten durch die Weiten Nordkaliforniens gab es viel Hufgeklapper nachzuklopfen. Denn David Warren Brubeck sollte Cowboy werden, nachdem sein Vater, Rancher mit 180 Quadratkilometern Weidefläche, schon zwei Söhne an die Musik verloren hatte. Dave wurde ein musikalischer Cowboy, später ein Jazzpianist, dessen verrückte Takte Musikgeschichte schrieben. Über sein Spätwerk „To Hope – A Celebration“ fand Brubeck zum Katholizismus. Vor 100 Jahren, am 6. Dezember 1920, wurde er geboren.

Im Zweiten Weltkrieg war Brubeck der erste Bandleader der US-Armee mit einer ethnisch gemischten Kapelle. Und in den 50er Jahren, als ihn bei einer Tournee 23 von 25 Universitäten aufforderten, entweder seinen schwarzen Bassisten Gene Wright gegen einen weißen auszutauschen oder den Auftritt abzusagen, entschied er sich für die Absage. „All meine Helden waren schwarz“, sagte Brubeck: Duke Ellington, Louis Armstrong, Fats Waller. Und er zitierte Pianist Sir George Shearing: „Mir ist egal, ob jemand lila ist – Hauptsache, er kann spielen.“ Und Brubeck konnte spielen: mit Woody Hermann, Miles Davis, Charly Parker, Count Basie oder Dizzy Gillespie. Sie verstanden ihn besser als die vielen Kritiker, die ihn in die Ecke des „Cool Jazz“ steckten oder meinten, das Dave Brubeck Quartet könne nicht mal gemeinsam den Takt halten.

Seine Musik hatte immer mit dem Menschen zu tun. In den Stunden vor einer Herz-OP schrieb er das Stück „Joy in the Morning“. Es beginnt mit dem arhythmischen Herzschlag vor der OP, geht dann über in einen neuen Herzschlag im Leben danach. Am 5. Dezember 2012, einen Tag vor seinem 92. Geburtstag, blieb Dave Brubecks Herz stehen – nicht so der Takt seiner Musik.

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