Bonn Seit dem Wochenende ist auf dem Bezahlsender Sky mit „Lovecraft Country“ das jüngste Projekt von Jordan Peele zu sehen, der sich mit „Get out“ und „Wir“ als eine der prägenden Stimmen des „New Black Cinema“ profiliert hat. Seine Arbeiten, aber auch viele andere Filme und Serien erzählen jedoch nicht nur „schwarze“ Geschichten, sondern stehen auch für eine besondere Ästhetik, in der die Ausleuchtung dunkler Körper eine wichtige Rolle spielt.

Mit der Faust hat Tyler seinen Vater niedergeschlagen und rast mit dem Wagen davon. Die blaue Anzeige beleuchtet sein angespanntes Gesicht, gelbe Straßenlichter ziehen vorüber. Die Polizei verfolgt ihn, nimmt ihn fest. Seine Schwester blickt dem Polizeiwagen hinterher, der in der Dunkelheit verschwindet. Auf der Rückbank strömen Tränen über Tylers Gesicht. Sie glänzen im blau-roten Blinken.

Warm-Kalt-Kontrast

Diese Nachtszene markiert in „Waves“ (2019) von Trey Edward Shults den Wendepunkt der Handlung. Ästhetisch wirkt sie einheitlich, da die bunte Beleuchtung sich immer wieder aus demselben Warm-Kalt-Kontrast zusammensetzt. Blau wirkt kalt, gelb, orange und rot signalisieren Wärme. Bruder und Schwester sind afroamerikanisch, und dank dieser Lichter verschwinden ihre dunklen Körper nicht in der Nacht, sondern die auf ihren Gesichtern sich abspielenden Emotionen bleiben immer sichtbar.

Das ist keineswegs selbstverständlich. In einem Interview hat die Kamerafrau Ava Berkofsky jüngst erläutert, dass es zu ihrer Zeit an der Filmschule gar nicht thematisiert wurde, wie nicht-weiße Akteure zu beleuchten seien.

Ein prägnantes Beispiel, wie gleichgültig die Filmindustrie lange dieser Frage gegenüber war, ist der Klassiker „Casablanca“ (1942): Während man den trübseligen Humphrey Bogart gut sehen kann, verschwindet der dunkelhäutige Sänger Dooley Wilson neben ihm in der nächtlichen Bar.

Setting für Weiße

Die Hollywood-Studios haben sich sehr spät mit der Beleuchtung nicht-hellhäutiger Darsteller beschäftigt. Selbst in Sitcoms mit durchgängig schwarzer Besetzung der 1980er- und 1990er-Jahre wie „Prince of Bel-Air“ oder „The Cosby Show“ wurden Afroamerikaner in ein Setting gestellt, dessen Ausleuchtung sich von der in weißen Sitcoms in nichts unterschied.

In den Augen von Ava Berkofsky hat sich das Bewusstsein dafür erst in den 2010er-Jahren gewandelt, als immer mehr afroamerikanische Filmschaffende vor und hinter der Kamera agierten. Da eine dunklere Hautoberfläche mehr Licht absorbiert, nützt es nichts, einfach mehr Scheinwerfer aufzustellen, erst recht nicht, wenn eine Szene nachts spielt. Wenn man von einer anderen Ästhetik sprechen kann, dann von einer des bunten Lichts.

In „Moonlight“ (2016) etwa heißt es „In moonlight black boys look blue.“ Hier sieht man nicht nur Menschen mit schwarzer Hautfarbe, sondern die Reflexionen von Farben auf ihnen. Eine häufig auftauchende Farbe ist ein saftiges Grün. Die Grundierung der US-Südstaaten macht sich indirekt auch in Filmen wie „12 Years a Slave“ (2013) oder in den Tagesszenen von „Waves“ bemerkbar. In Spike Lees „Da 5 Bloods“ (2020) sind es der Urwald und der Boden in Vietnam, die sich auf den Gesichtern der afroamerikanischen Veteranen widerspiegeln.

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