Bonn In einem Hallenbad hockt ein Mann unter Wasser, die Arme weit ausgebreitet. Sein Gesicht ist halb entspannt, halb sorgenvoll. Der Filmregisseur Salvador Mallo (Antonio Banderas) hat seine besten Tage lange hinter sich; jetzt steckt er in einer tiefen Existenzkrise. In den wilden Jahren der „movida“, der bonbonfarbenen Kulturrevolution Anfang der 1980er Jahre in Spanien, hatte er als unkonventioneller Filmkünstler seine beste Zeit. Nun ist er fast 60 Jahre alt, wird von höllischen Rückenschmerzen geplagt, scheut die Öffentlichkeit und hat den Tod seiner Mutter immer noch nicht überwunden.

Als er zur Aufführung einer digital restaurierten Fassung seines Films „Sabor“ eingeladen wird, beginnt eine Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit. Denn vor 32 Jahren, 1986, hatte er sich bei den Dreharbeiten mit dem Hauptdarsteller, dem heroinabhängigen Alberto Crespo (Asier Etxeandía), komplett zerstritten und danach keinen Film mehr gedreht.

„Leid und Herrlichkeit“ von Pedro Almodóvar ist der Abschluss einer Trilogie, die 1987 mit „Das Gesetz der Begierde“ begann und in „La Mala Educacion – Schlechte Erziehung“ (2004) seine Fortsetzung fand. Allesamt Männerfilme im sehr femininen Universum von Almodóvar, deren Protagonisten Filmemacher sind.

„Leid und Herrlichkeit“ ist noch autobiografischer als die Vorgänger. Unspektakulär und mit leiser Melancholie erzählt der Film von drei Phasen im Leben des Protagonisten, von der Kindheit in einem kleinen Dorf in den 1960er Jahren, von der hoffnungsvollen Zeit nach dem Ende der Diktatur bis zum Ausbruch aus Mallos lähmender Lebenskrise in der Gegenwart.

Die Erinnerungen an die Kindheit sind idyllisch. Der 80-jährige Kameramann Jose Luis Alcaine hat sehr poetische Bilder geschaffen, wenn Mallos Mutter (Penelope Cruz) mit den anderen Frauen singend die Wäsche im Fluss wäscht und die Laken auf dem hohen Gras in der Sonne trocknen, oder wenn der blaue Himmel durch ein vergittertes Oberlicht auf die weiß gekalkten Wände ihrer Höhlenwohnung leuchtet.

Wie in vielen anderen Filmen von Almodóvar ist die Kindheit auf dem Lande auch hier ein verlorenes Paradies. Es gibt kaum Referenzen an die politische Repression oder die Armut während der Franco-Diktatur. Die spürt man eher in Salvadors zweitwichtigstem Lebensabschnitt, den 1980er Jahren, einer Zeit der Freiheitseuphorie, wilder Tabubrüche und des kreativen Experiments. Auch hier ist hinter Salvador Mallo deutlich der junge Pedro Almodóvar zu erkennen, als sexuelle Grenzen sprengender Underground-Regisseur, in einer Mischung aus derb-schwarzem Humor und fast kitschigem Melodram.

In der Gegenwart versucht Mallo die Fragmente seines Lebens wieder zusammenzusetzen. Dazu zählt neben der Versöhnung mit seinem ehemaligen Hauptdarsteller auch die Wiederbegegnung mit seinem Liebhaber jener Jahre, dem drogenabhängigen Argentinier Federico (Leonardo Sbaraglia), der jetzt ein biederes heterosexuelles Familienleben führt, sowie immer wieder die Begegnungen mit seiner gealterten Mutter (Julieta Serrana).

Zwar ist die Vergangenheit unwiderruflich vergangen, aber am Ende gibt sie Salvador einen kreativen Stups: Er beginnt nach 32 Jahren einen neuen Film.

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