OLDENBURG Es war spät geworden, er hatte kaum geschlafen, kurz: Er war nicht da, als sie ihn brauchte. Als sie sein kleines Mädchen später fanden, lag es getreten und geschlagen und vergewaltigt auf dem feuchten Waldboden.

„Was ist das nur für ein Vater, der seine Tochter vergisst?“, brüllt seine Frau.

Da steht David nun, alles hat er verloren: Seine Ehe ist gescheitert, seine Tochter spricht seit fünf Jahren nicht mit ihm, er fühlt kaum noch etwas. Manchmal schläft er mit zu jungen Frauen, für die er sich aber nicht interessiert, und abends geht er zur Arbeit, David arbeitet als Wachmann.

Mit der Taschenlampe tastet er übers Firmengelände, gerade leuchtet er einen Lastwagen ab, da steht sie plötzlich vor ihm: Anja, eine Serbin, sie weint. Ihre Schwester wurde getreten und geschlagen und vergewaltigt, jetzt ist sie tot, die anderen Mädchen sind es auch, im Lastwagen liegen ihre Leichen. Ein Menschenhändler taucht auf und schießt, denn auch Anja soll sterben. Und David wacht auf.

Es ist die klassische Geschichte von Schuld und Sühne, die Regisseur Raul Inglis in „Takedown“ erzählt. Sein David (Lou Diamond Phillips) schießt und prügelt sich dabei als wandelndes Charles-Bronson-Zitat durchs Bild: die gleichen schmalen Augen, der gleiche Schnurrbart, die gleiche Humorlosigkeit. Aber anders als Bronson („Ein Mann sieht rot“, 1974) ist es ist nicht Rache, die David will – es ist eine zweite Chance. Denn diesmal war er da, diesmal will er alles richtig machen.

Doch vorher muss er wie in der griechischen Tragödie eine Reinigung durchlaufen: David wird getreten und geschlagen, er wird gestochen und angeschossen, es fließen Blut, Schweiß und Tränen.

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Raul Inglis, ein gebürtiger Mexikaner, inszeniert die Geschichte des David mit konventionellen Mitteln: Grummelige Synthesizer-Bässe verbreiten Nervosität, Schattentöne künden von Gefahr, übergroße Detailaufnahmen nehmen dem Zuschauer immer wieder die Orientierung.

Trotzdem – oder gerade deshalb – fesselt Inglis’ Thriller, 96 Minuten mag man die Augen nicht von der Leinwand nehmen. Großen Anteil daran haben zwei Schauspieler in Höchstform: Lou Diamond Phillips als David und Deborah Kara Unger als knallharte Firmenanwältin.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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