Oldenburg Auf der Suche nach der verlorenen Heimat ist der Künstler Heinz Liers (1905–1985) 1946 nach Oldenburg gelangt, weil ihn die Nähe des Meeres an Gumbinnen in Ostpreußen erinnerte, wo er seit 1930 gelebt hatte.

In Berlin geboren, hatte er 1929 in Königsberg sein Studium der Kunst beendet. Die Kriegsteilnahme führte zu einer schweren Verwundung. Das Unterkommen in Oldenburg und später dann in Varel bedeutete für ihn einen Neuanfang. Liers war zurückhaltend und konzentrierte sich zunächst auf die Sicherung der Existenz durch eine Lehrtätigkeit an Schulen und Volkshochschulen.

Im Jahr 1947 trat er in den gerade gegründeten Bund Bildender Künstler (BBK) ein, in dem er an Ausstellungen der „jungen Gruppe“ teilnahm. Gleichzeitig begann er, über Ausstellungen in der Presse zu berichten, vor allem in Oldenburger Zeitungen und Zeitschriften.

Das verschaffte ihm Anerkennung, und er wurde ein geschätzter Diskussionspartner in der Oldenburger Szene, in der damals Max Herrmann und Reinhard Pfennig der Mittelpunkt waren.

Mit Einzelausstellungen seiner Malerei in der Galerie Klose-Trenk gewann Liers ab 1952 auch als Künstler viel Aufmerksamkeit. Zwei Stipendien 1954 und 1956 waren Auszeichnung und Förderung zugleich und haben ihm dann ermöglicht, nach Marokko und Paris zu reisen, das in den 50er Jahren in Fragen der Gegenwartskunst unbestrittenes Zentrum war.

Tatsächlich hat sich nach diesen Reisen seine Malerei allmählich gewandelt. Die sachlich streng gegenständliche Darstellung von Alltäglichkeiten löste sich immer mehr auf. Die Konturen wandelten sich zu spontanen freien Linien und suchten übergreifende Zusammenhänge. Wiederholung und Variation abstrakter Formen verdrängten dann das impulsive Linienspiel.

Rhythmische Strukturen entstanden. Da gewannen die seit jeher hellen Farben an Kraft und Bedeutung, sie formten den Rhythmus, indem sie jedem kleinen Element einen klaren Farbton gaben.

Liers lieferte sich freilich nicht einem Schematismus aus. Jedes Bild zeigt einen neuen Ansatz aus zellenhaften Formen und Farbigkeit. Das Erzählerische der frühen Arbeiten war einer Musikalität aus Farbklang und Rhythmus gewichen. Diese Malerei reflektierte wohl Bildideen französischer und schweizerischer Kollegen, blieb aber in Oldenburg singulär.

Die Galerie Ursula Wendtorf am Oldenburger Scheideweg (1959–1968) stellte Liers’ Werke wiederholt vor, aber im Grunde konnte niemand die Reflexionen adäquat nachvollziehen. Liers selbst konnte darüber in der Presse nicht schreiben. 1970 begann ein neuer Lebensabschnitt: Sein Werk fand Resonanz zunächst in Hannover, und danach lebte Liers in Esslingen und Ludwigsburg. 1989 hat das Oldenburger Stadtmuseum schließlich eine Gedächtnisausstellung veranstaltet.

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