BREMEN Die Bremer haben das Stück nicht modernisiert. Sie wollen nicht von der Handlung ablenken.

Von Wolfgang Denker BREMEN - „Macbeth“ ist unter den Dramen von William Shakespeare eines der kürzesten, aber wohl auch eines der stringentesten. Keine Nebenfiguren und keine Verästelungen lenken von der hinlänglich bekannten Handlung um den Mord am schottischen König Duncan ab.

Regisseur Jörg Steinberg hat das Geschehen nicht modernisiert, sondern im Schottland des 11. Jahrhundert belassen. Auch die Kostüme (Schottenröcke) und die Kampfszenen mit Schwert und Dolch sichern dem Werk archaische Größe und zeitlose Gültigkeit. Einzig die Figur des Pförtners, der sich über die Doppelmoral von Betriebsräten und über Kinderschänder auf Gefängnisdächern unter dem Motto „Neid muss man sich erarbeiten“ auslässt, wäre entbehrlich gewesen; sie tut der Gesamtwirkung aber keinen Abbruch.

Denn Steinberg konzentriert sich vor allem auf die inneren Ansichten der Hauptfiguren: Macbeths anfängliche Zweifel und Skrupel werden ebenso sinnfällig herausgearbeitet wie der zielgerichtete Einfluss der Lady Macbeth, die ihr Gift in Macbeths Seele träufelt. Auch wenn es blutverschmierte Gewänder zur Genüge gibt, lässt sich Steinberg doch nicht auf eine Blutorgie oder Horrorshow ein. Der Horror entsteht im Kopf, durch die ungeheuerlich beschleunigte Gewaltbereitschaft, durch die immer selbstverständlicher werdenden Morde.

Steinberg hat die düsteren, schauerlichen Effekte wohldosiert, etwa wenn der Mord an Macduffs Familie durch Babyweinen verdeutlich wird, oder wenn die Hexe (hier gibt es nur eine) als unheimliches Fabelwesen mit echsenhaften Pranken erscheint. Toneinspielungen mit pochendem Herzschlag oder musikalischen Klängen, die auch in einem Hitchcock-Film Platz gefunden hätten, sind dabei besonders wirkungsvoll. Und Steinberg versteht es immer wieder, mit kleinen Übertreibungen auch fast humorvolle Akzente zu setzen, die manchen Lacher auslösten – auch wenn er dann eher im Halse stecken bleibt.

Die Leistung der sechs Schauspieler war bei der Premiere schlicht großartig – man ist es bei der Shakespeare Company ja fast nicht anders gewohnt. Erik Roßbander ist ein eindringlicher Macbeth: ehrgeizig, bösartig, trotzig und wie von Furien getrieben. Janina Zamani, zunächst in trügerischem Unschuldsweiß, später blutrot gekleidet, gibt der Lady hintergründige, gefährliche Züge. Frank Auerbach ist als Hexe eine gespenstische Figur mit besonderer Ausstrahlung, Christian Bergmann ein nicht minder machtbewusster König Duncan und ein aufbrausender Macduff, Sandro Costantini ein rechtschaffener Banquo (und Pförtner), und Michael Meyer gibt so unterschiedlichen Rollen wie Donalbain, Rosse und Siward nachhaltiges Profil.

Karten: 0421/50 03 33

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