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Berne In Zeiten, wo sich das öffentliche und kulturelle Leben wegen der Corona-Pandemie immer mehr zurückziehen muss, ist es ein im doppelten Sinne mutiges Unterfangen, an drei Abenden sämtliche Solosuiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach und Benjamin Britten, insgesamt neun umfangreiche Werke, aufzuführen. Wer aber die schmucke Konzertkirche St. Marien in Warfleth am Weserdeich besuchte, war Zeuge eines außergewöhnlichen Konzerterlebnisses.

Alleiniger Solist aller drei Abende war der 1983 in Berlin geborene Jakob Spahn, Solocellist des Bayerischen Staatsorchesters in München und seit Kurzem Professor an der Musikhochschule in Nürnberg. Seinem intelligenten und mitreißenden Spiel lag eine wohlüberlegte und stimmige Programmkonzeption zugrunde.

In jedem der drei Konzerte kombinierte er zwei Bach-Suiten mit einer von Britten. Dabei beachtete er die tonalen Bezüge der Werke zueinander, indem die Zentraltöne in Brittens modernen Werken mit den Grundtonarten der Barocksuiten korrespondierten.

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Den Bachschen sechssätzigen Solosuiten verlieh der Solist eine überaus lebendige Kontur und eine beeindruckende Ausdrucksvielfalt. Immer waren die imaginären höfischen Tänze einer Allemande, Courante, Sarabande oder Gigue präsent. Gleichzeitig waren diese durchdrungen von einer individuell gefärbten Interpretation, die extreme Tempi mied, dafür aber ungemein charakterisierend und auslotend war.

Eine bestechend saubere Intonation und eine flexible Tongebung sorgten für ein angenehmes Klangbild. Dabei konnte der Cellist den farbenreichen Sätzen inklusive oftmals mehrstimmiger Passagen immer einen lebendigen Dialogcharakter abgewinnen.

Jakob Spahn spielte auf einem wohlklingenden Ruggieri-Cello von 1683 aus der berühmten Geigenbauer-Schule von Cremona. Da dieses Instrument mit Stahlsaiten bezogen war, eignete es sich auch hervorragend für die klanglich und technisch herausfordernden Suiten von Benjamin Britten.

Was Spahn hier alles an Klangtechniken und Ausdrucksmöglichkeiten hervorzauberte löste Begeisterung, Faszination und absolute Bewunderung beim Publikum aus. Verschiedene Zupftechniken, mehrstimmiges Spiel und eine überbordende Ausdrucksvielfalt sorgten für eine Britten-Interpretation, die Maßstäbe setzte.

Schon in seiner ersten Cellosuite, die er 1965 für den legendären Rostropowitsch komponiert hatte, war ein ganzer Kosmos von Klängen zu erleben. Neun fließend ineinander übergehende Sätze wurden durch einen sich stets verändernden Gesang (Canto) miteinander verbunden.

Dazwischen gab es eine Fuge, einen Marsch oder ein Perpetuum mobile. Es wurde deutlich, wie der Komponist die bedrückenden Erlebnisse des zweiten Weltkriegs in diesem Werk verarbeitete. So verwunderte es nicht, dass der lyrisch-hymnische Gesang des Beginns zu einem Klagegesang wurde, der sich aus den fulminanten rhythmischen Bewegungen des „Moto perpetuo“ Schlusssatzes zu befreien suchte, als wollte er den Kriegserlebnissen und dem bedrückenden Zeitgeist trotzen.

Jakob Spahn präsentierte sich bei diesen Konzerten nicht nur als ein außergewöhnlicher Musiker, sondern auch als ein Mensch, der dem, was kulturell Bedeutung hat, auch in schwierigen Zeiten mutig seine Stimme gibt.

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