Berlin /Oldenburg Nur wenige Sekunden genügten, um Burkhard Driest einen Platz in der Fernsehgeschichte zu sichern. „Sie gefallen mir!“, sagte Romy Schneider und tätschelte Driests Arm, „Sie gefallen mir sehr!“. In Jeans und
Lederjacke saß Driest 1974 in der WDR-Talkshow „Je später der Abend“ und berichtete von seinem Leben – Bankraub inklusive. Es waren aufregende Zeiten, und in diesem legendären Live-Auftritt schien er sogar „Sissi“ zu verzaubern. Nun ist der Schauspieler und Autor tot. Driest starb im Alter von 80 Jahren am Donnerstag nach langer Krankheit in Berlin, wie seine Familie am Freitag mitteilte.

Erst im vergangenen September hatten ihn die Verantwortlichen des Filmfests Oldenburg in den Mittelpunkt gestellt. Für seine Darstellung des „Tiger“ Kuul im Gefängnisdrama „Die Verrohung des Franz Blum“ von 1974, das auf dem gleichnamigen Roman von Burkhard Driest basiert, wurde er bei der Filmfestgala im Staatstheater mit dem
Ehrenpreis „German Independence Honorary Awards“ ausgezeichnet. Dem 80-Jährigen war im Rahmen des Festivals eine Tribute-Reihe mit drei Filmen gewidmet worden.

Ob als Romanschriftsteller, Theaterautor oder Schauspieler – Driest bediente sich einer breiten Palette an künstlerischen Talenten. Als Bösewicht und Nonkonformist gab er sich ein rebellisches Image, das ihn stets begleitete. Der 1939 in Stettin als Sohn eines Kaufmanns und einer Klavierlehrerin geborene Driest bürstete gerne gegen den Strich. Nach der Flucht mit der Familie in den Westen lebte er in Peine. Die Eltern ließen sich 1950 scheiden, Driest zog zunächst mit der Mutter nach Göttingen, 1957 dann wieder zum Vater zurück. Viermal flog er vom Gymnasium, dann machte er Abitur – als Drittbester seines Jahrgangs. Er studierte zehn Semester Jura, allerdings nicht zu Ende.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Wie er später berichtete, gab er zwar seine Examensarbeit in Zivilrecht ab, gestand aber bei Ermittlungen der Polizei, im März 1965 eine Sparkasse im niedersächsischen Burgdorf überfallen zu haben. Er habe so einen Mittäter decken wollen. Nach drei Jahren und vier Monaten wurde er aus der Justizvollzugsanstalt Celle wegen guter Führung vorzeitig entlassen.

In der Freiheit schlug er sich mit Gelegenheitsjobs durch und veröffentlichte 1974 seinen ersten Roman, den er im Gefängnis auf Tonband diktiert habe. „Die Verrohung des Franz Blum“ hat starke autobiografische Züge. „Nicht gerade ein Stück Weltliteratur, aber empfohlen von Martin Walser, immerhin“ schrieb „Die Zeit“.

NWZ-Trauer.de
Trauerfälle aus der Region sowie Ratgeberartikel zum Thema Trauer.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.