Berlin /Oldenburg Am Tisch nehmen sieben Personen Platz: Ein Kinderlied-Komponist, eine Größe des Jazz, eine Kennerin elektronischer Klänge, eine Expertin für Chormusik, eine Hip-Hopperin, ein Rocker, eine Filmmusikerin. Die Fachfrau für Chormusik ist eine Oldenburgerin: Violeta Dinescu (66), seit 1996 Professorin für angewandte Komposition an der Carl-von-Ossietzky-Universität, selbst eine renommierte Komponistin.

Aus Rumänien

Das Fähnlein der sieben Aufrechten bildet die Jury für den Deutschen Musikautoren-Preis 2019. Den Titel schreibt seit zehn Jahren die Gema aus, die „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte.“ Handfest sorgt diese dafür, dass Komponisten und Ausführende faire Einnahmen für ihre Arbeit erzielen. Ideell erweist sie ihnen mit dem Preis eine besondere Wertschätzung. „Es sind hoch angesehene Fachleute, die als Juroren den Komponisten, Textern oder Autoren höchste Qualität bescheinigen“, sagt Nadine Remus, Sprecherin der Gema. „Weder Hitlisten, noch Label-Interessen oder Verkaufszahlen spielen für ihre Bewertungen eine Rolle.“ Am 14. März werden die Preise in zehn Kategorien in Berlin vergeben.

Die Preisrichter erfreuen sich in der breit gefächerten Musikszene höchster Wertschätzung und könnten selbst preiswürdig sein. So der für seine Kinderlieder bekannte Rolf Zuckowski oder die in der elektronischen Klangerzeugung versierte Julia Mihály. Und eben Violeta Dinescu aus Oldenburg. Das Ansehen der aus Rumänien stammenden Musikschöpferin basiert auf Opern, Orchesterwerken, vielfältiger Kammermusik bis hin zu fein ziseliertem Flöten- oder Streicherklang. Ihr breit gefächertes Oeuvre wurde mit vielen Auszeichnungen bedacht. Neue Strömungen nimmt sie gern auf. „Ohne Offenheit für Neues bleibt der Mensch in seinen Erinnerungen stecken“, lautet ihre Philosophie. So reichen ihre Notationen längst über die konventionelle Notenschrift hinaus. Stimmen, Linien und Melodien vervielfältigt sie gern mit elektronischen Mitteln.

Für jede Fachrichtung wurde in einer Vorauswahl die Entscheidung auf drei Musik- und Werkschöpfer eingegrenzt. Im Bereich Chormusik sind der österreichische Chorleiter Rupert Huber (53), der in Detmold wirkende und mehrfach ausgezeichnete Daniel Smutny (42) und Arvo Pärt (82) benannt. Der estnische Grandseigneur zählt mit seiner Neuen Einfachheit zu den eingängigsten zeitgenössischen Komponisten.

Hohe Messlatte

Wie schwer abzuwägen eine Bewertung unter Kollegen ist, weiß Dinescu bestens. „Wenn 50 Leute ein Werk von mir hören, dann sind sich zehn in ihrem Urteil einig“, schätzt sie, „von den 40 anderen empfindet jeder es anders.“ Das erste Augenmerk wird sie auf das Handwerkliche richten. Ebenso wichtig ist ihr: „Das Werk muss die lange Tradition der Chormusik aufgreifen, aber gleichzeitig etwas Neues schaffen.“ Und dann muss sie Spürsinn einsetzen: „Hält es eine durchgehende Spannung? Gibt es Brüche? Und wenn ja, warum? Sind die logisch?“ Und so weiter.

Wie man Spannung aufbaut, weiß natürlich auch die Gema. Schon vor dem Festakt lüftet sie scheibchenweise Geheimnisse. Vorab hat sie soeben die Nachwuchspreisträger bekannt gegeben: Songwriterin Elif Demirezer und Neue-Musik-Komponist Mark Barten. Ansonsten halten die Juroren dicht. Dinescu:: „Die Preisträger wissen es selbst noch nicht.“

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