Berlin Er hat das Bibliothekswesen gesamtdeutsch verbunden, eine der wichtigsten Museumsinstitutionen auf Trab gebracht und Deutschlands kulturelles Gesicht in der Welt geliftet. Bedenken vor großen Aufgaben sind bei Klaus-Dieter Lehmann schwerlich auszumachen. „Verändern will ich schon, gestalten will ich auch“, sagt Lehmann über sich. Sein Rezept: „Ich traue mich, in großen und kleinen Runden mit offenem Visier zu arbeiten.“ An diesem Samstag wird der Präsident des Goethe-
Instituts 80 Jahre alt.

Eigentlich fing alles ganz anders an, gleichwohl nicht weniger spektakulär. Der gelernte Mathematiker und Physiker Lehmann entwickelte in den 60er Jahren ein Gerät, mit dem US-Forscher das gerade erst von der Apollo 11 mitgebrachte Mondgestein untersuchen konnten. „Ich habe ein Massenspektrometer gebaut, das kleinste Isotope trennen kann“, erläutert Lehmann seine Beziehungen zur Weltraumforschung. Damit konnten die Amerikaner feststellen, „wo dieses Material herkommt, aus welchen kosmischen Zusammensetzungen das ist“.

Doch die Faszination der Raumfahrt konnte Lehmann nicht binden. „Die Naturwissenschaft war eine rationale Entscheidung für eine Berufswahl“, sagt Lehmann. „Im Grunde bin ich Kulturmensch, Literatur ist meine Passion.“ Seine Leidenschaft zog ihn in die Bibliothekswissenschaft.

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Ende der 80er Jahre war Lehmann bereits Generaldirektor der Deutschen Bibliothek in Frankfurt am Main. Zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung kam die nächste große Aufgabe: Die Zusammenführung von Deutscher Bücherei (Ost) und Deutscher Bibliothek (West). „Wir haben uns zwischen Leipzig und Frankfurt/Main im Thüringer Wald getroffen. Auf halber Strecke, damit keiner sagt: jetzt werden wir okkupiert.“ Im März 1990 gab es ein fertiges Konzept einer Deutschen Nationalbibliothek, zu der im Deutschen Musikarchiv der Standort Berlin kam.

Berlin hatte Ende der 90er Jahre dann die nächste große Aufgabe für Lehmann bereit. Als Präsident der von Bund und Ländern getragenen Stiftung Preußischer Kulturbesitz übernahm er die Verantwortung über zwei Dutzend Museen und Sammlungen.

2008 wäre Lehmann vom Alter her reif gewesen für die Rente. Doch es lockte das Ehrenamt des Präsidenten des Goethe-Instituts in München. Das kulturelle Aushängeschild Deutschlands in der Welt versprach nicht nur international spannende Aufgaben, sondern auch strukturell viel Arbeit.

Im November wird die Anthropologin Carola Lentz neue Präsidentin des Goethe-Instituts. Ruhestand gibt es für Lehmann auch danach nicht. Museumsbund hier, Kulturfonds dort; kleinere Projekte, betont der 80-Jährige. Es gehe „nur“ darum, „Kultur in einer größeren Dimension zusammenzubringen“.

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