Berlin Mit einem medialen Massen-Coming-out und einem Manifest im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ wünschen sich 185 Schauspielerinnen und Schauspieler eine öffentliche Debatte über Queersein und Diversität.

„Bisher konnten wir in unserem Beruf mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne dabei berufliche Konsequenzen zu fürchten“, heißt es in dem Beitrag. Zu oft sei ihnen geraten worden, die eigene sexuelle Orientierung geheim zu halten. „Das ist jetzt vorbei.“

Möglicher Durchbruch

Zu den Unterzeichnern, die sich unter dem Motto „Wir sind hier und wir sind viele“ als lesbisch, schwul, bisexuell, queer, nicht-binär oder trans outen, gehören Karin Hanczewski, Eva Meckbach, Bettina Hoppe, Ulrich Matthes, Jaecki Schwarz, Maximilian Mundt, Mehmet Sözer, Godehard Giese, Niels Bormann, Rainer Sellien, Udo Samel und Mavie Hörbiger sowie Ulrike Folkerts, Matthias Freihof, Georg Uecker, Jannik Schümann, Pierre Sanoussi-Bliss und Gustav Peter Wöhler.

Für die queere Community könnte es ein Durchbruch sein im Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung. Wohl alle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner von „#actout“ können eine Geschichte erzählen über offene oder zumindest versteckte Homophobie. Ihr sei gesagt worden, „ich solle im Tatort nicht zu viele Karo-Hemden tragen“, erzählt TV-Kommissarin Karin Hanczewski im Interview mit fünf anderen Künstlerinnen und Künstlern dem „SZ Magazin“. Das entspricht dem homophoben Stereotyp einer lesbischen Frau, wie ihre Kollegin Eva Meckbach erklärt.

Angst vor Homophobie

Homosexuellen Darstellern und Darstellerinnen werde oft nicht zugetraut, heterosexuelle Rollen authentisch zu spielen, berichtet Markus Ulrich, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland (LSVD). Das hat auch Ulrike Folkerts erlebt, bekannt vor allem aus dem Ludwigshafener „Tatort“: „Ich wurde für eine Mutterrolle gecastet, aber als die Regisseurin erfuhr, dass ich lesbisch bin, hat sie mir abgesagt“, erzählt die 59-Jährige. „Das ist Diskriminierung. Natürlich kann ich eine Mutter spielen.“

Oft ist der Druck von außen groß. Selbst Agenten rieten queeren Menschen, sich lieber nicht öffentlich zu outen – aus Angst, keine Hetero-Rollen mehr angeboten zu bekommen, erzählt Jenny Luca Renner, LGBT-Vertreterin im ZDF-Fernsehrat.

Es werde immer angenommen, man gehöre zur Norm, erzählt Godehard Giese („Babylon Berlin“). Dabei seien sie „mit unserer sexuellen Identität in der Öffentlichkeit nicht sichtbar“. Von vielen ist bekannt, dass sie lesbisch, schwul, trans oder bi sind. Andere outen sich zum ersten Mal. Das gemeinsame Outing hat manchem geholfen, die Angst vor dem Karriereknick zu überwinden.

Noch ein weiter Weg

Doch bis zur völligen Akzeptanz ist es noch ein weiter Weg. Schauspieler André Eisermann („Kaspar Hauser“) betont, ein Teil der Gesellschaft habe noch immer ein Problem damit, wenn Menschen offen zu ihrer Homosexualität stehen. „Solange es solche Menschen gibt – leider auch in den ,Fachkreisen‘ –, wird es nicht gleichgültig sein, ob jemand schwul oder lesbisch ist.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.