Berlin Die Eltern trennen sich, mit der Angebeteten will es nicht klappen, die meisten Lehrer erweisen sich als ziemlich schräge Vertreter ihrer Zunft und dann auch noch die Sache mit Bogi: Mortens bester Kumpel schon seit Kindertagen kommt plötzlich in die Klinik. Der Junge hat Krebs. Morten ist zutiefst deprimiert.

Spätestens seit J.D. Salinger seinen jugendlichen Antihelden Holden Caulfield („Der Fänger im Roggen“, 1951) bei der Suche nach der eigenen Identität durch New York geschickt hat, wissen wir, dass es Teenager nicht immer leicht haben. Das gilt auch für den 15-jährigen Morten, den Matthias Brandt (57) Ende der 70er Jahre durch eine Pubertät irgendwo in Westdeutschland stolpern lässt.

Der jüngste Sohn des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, im Hauptberuf Schauspieler, hat sich in seinem ersten Roman tief in die Psyche eines Heranwachsenden versetzt, der sich in dieser nicht unproblematischen Phase seines jungen Lebens ziemlich alleingelassen fühlt. „Blackbird“ (Kiepenheuer & Witsch, 22 Euro) gehört damit ins Regal der Coming-of-Age-Geschichten.

Erwachsenwerden ist keine leichte Aufgabe. Morten jedenfalls tut sich schwer damit, kämpft mit seiner Angst, seiner Wut, seiner Traurigkeit, seiner Unsicherheit in einer von ihm als verlogen empfundenen Welt. Er beobachtet genau, macht sich Gedanken, aber versteht nicht viel.

„Alles, was ich erzähle, ist erfunden. Einiges davon habe ich erlebt“, hatte Brandt seinem literarischen Debüt „Raumpatrouille“ (2016) vorausgeschickt. Er erzählt darin von dem Kind einer Politikerfamilie, das in Bonn aufwächst und mit Leuten wie etwa dem damaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke Kakao trinkt.

Auch bei „Blackbird“ könnte Brandt autofiktional gearbeitet haben. Wie viel von ihm in seinem Protagonisten steckt, ist allerdings unbekannt. Sicher ist indes, dass der lakonische Stil des Autors die Leser bei aller Tragik, die seinem Ich-Erzähler widerfährt, immer wieder schmunzeln lässt und sicher bis ans Ende des Buchs trägt. Die Story dürfte auch fast 40 Jahre nach Mortens seelischer Odyssee kaum etwas an ihrer Relevanz verloren haben.

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