Berlin Er war ein Charakterkopf – und zwar einer, bei dem die Leute gern zuschauten. Er war bereits zu DDR- Zeiten ein Star, erst am Theater, dann im Kino. Am Dienstag ist Michael Gwisdek im Alter von 78 Jahren gestorben – nach „kurzer schwerer Krankheit“, wie seine Familie am Mittwoch mitteilte.

Mit Filmen wie „Good Bye, Lenin!“, „Boxhagener Platz“, „Nachtgestalten“ und „Oh Boy“, der im Jahr 2012 als bester deutscher Film beim Oldenburger Filmfest ausgezeichnet wurde, war er ein Liebling. Auch im Fernsehen war er oft zu sehen: ob im „Tatort“, bei „Bella Block“ oder in „Donna Leon“. Gwisdek sagte: „Komödie ist das Schwerste.“ Aber er sei nicht festgelegt. „Charakterdarsteller würde ich gern genannt werden.“

Familie der Künstler

Privat waren Michael Gwisdek und die Schauspielerin Corinna Harfouch viele Jahre ein Paar. Sohn Robert wurde ebenfalls Schauspieler, Sohn Johannes Komponist. Später lebte Gwisdek mit seiner Frau, der Drehbuchautorin und Schriftstellerin Gabriela Gwisdek, auf dem Land vor den Toren Berlins. Er rauchte gern und züchtete Kois.

Der 1942 geborene Gastwirtssohn aus Berlin-Weißensee lernte das Schauspiel-handwerk an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ – wie viele prominente Kollegen. In den 50er Jahren zog es ihn, wie viele Ost- Berliner, bei Ausflügen nach West-Berlin ins Kino.

Gwisdek spielte in den 60er und 70er Jahren an verschiedenen Theatern in der DDR. Sein komödiantisches Talent brachte ihm bald Rollen im Kino ein. Entscheidend waren zwei Arbeiten: Die Literaturverfilmung „Dein unbekannter Bruder“ (1982) und das Boxer-Drama „Olle Henry“ (1983). Beide Filme gefielen den Zensoren nicht. Sie warfen ein Schlaglicht auf die Verlogenheit der ostdeutschen Gesellschaft zwischen verordnetem Duckmäusertum und sinnfreier Propaganda.

Diese Situation prägte sein Regiedebüt „Treffen in Travers“ (1988), mit seiner damaligen Frau Corinna Harfouch und ihm selbst in den Hauptrollen. Gwisdek verlegte die Auseinandersetzung mit der Ausgrenzung Andersdenkender ins historische Gewand. Das Publikum verstand den Gegenwartsbezug des aufmüpfigen Kostümdramas aber sehr genau. So wurde Gwisdek zum Idol all jener, die sich nicht mehr widerspruchslos anpassen wollten.

Viele Auszeichnungen

Nach dem Fall der Mauer erfüllte sich sein Traum, über den roten Berlinale-Teppich zu gehen. 1999 erhielt Gwisdek einen Silbernen Bären als bester Darsteller in Andreas Dresens „Nachtgestalten“. Seine Trophäen-Ausbeute war groß und reicht vom Deutschen Filmpreis über den Deutschen Fernsehpreis bis zum Grimme-Preis.

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