München Dass sie jetzt, am 13. Mai, schon 75 wird, das kann kaum jemand glauben, der sie sieht - und sie selbst am wenigsten. „Ich kann die Zahl 75 aussprechen - aber ich glaube sie nicht“, sagt Senta Berger in München. „Die Zeit rast und wir rasen mit.“ Richtig freuen könne sie sich auf ihren Geburtstag gar nicht. „Das mag auch etwas sehr Wienerisches sein. Ich kenne kaum Wiener, die ihren Geburtstag jubelnd feiern. Es ist immer unter dem Motto: Naja, ein Jahr weniger.“

Dass für Berger die Zeit rast, kann auch daran liegen, dass sie die 75 Jahre ihres Lebens mit unglaublich vielen Erlebnissen gefüllt hat. Nur selten stand sie still. Schon mit 16 Jahren wurde sie am renommierten Max-Reinhardt-Seminar aufgenommen. Schnell feierte sie mit dem Image der „Sophia Loren vom Gemeindebau“ erste Bühnen-Erfolge.

Ein verspätetes Geburtstagsgeschenk bekommt sie am 3. Juni mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Fernsehpreises. Die Jury lobte ihr „überwältigende Lebenswerk“. „Sie spielt ihre Rollen nicht nur, sie interpretiert sie und schafft neue, eigene und unvergessliche Figuren in unserem kollektiven Fernsehgedächtnis.“ Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nannte Berger „eine der populärsten Schauspielerinnen im deutschen Fernsehen über lange Jahre und alle Genregrenzen“ hinweg.

Mit „Es muss nicht immer Kaviar sein“ gelang ihr 1961 auch der filmische Durchbruch - und schließlich wurde auch Hollywood auf die schöne Österreicherin aufmerksam. Bis Ende der 60er Jahre arbeitete sie fast ausschließlich in Los Angeles, wo sie neben Stars wie Kirk Douglas vor der Kamera stand.

„Als Teenager, so mit 16, da war ich von der großen Kinoleinwand fasziniert und von den Geschichten über Stars in den wenigen Illustrierten, die es damals gab“, sagt Berger. „Der Beruf bedeutet aber so viel mehr. Um Menschen und ihre Geschichten spielen zu können, muss man erst einmal Menschen verstehen lernen und vor allem sich selbst. Durchlässig zu sein, sich zu öffnen, seine Gefühle zu zeigen, aber auch klug zu zügeln - das ist ein langer Lernprozess.“

Ihren Eltern allerdings gefiel ihre Tochter auf der Leinwand nicht sonderlich gut, wie Berger sich in ihrer Biografie „Ich habe ja gewußt, dass ich fliegen kann“ erinnert. „Na ja, so ist das beim Film. Verdienst gut, aber bist verkauft“, sagte ihr Vater. „Auf der Bühne bist mir lieber“, sagte ihre Mutter. „In diesen Schmonzetten, da kenn ich dich gar nicht.“

Ihren Abstecher in die USA beendete Berger Ende der 60er Jahre. Schon 1965 hatte sie gemeinsam mit ihrem späteren Ehemann, dem Regisseur Michael Verhoeven, die Produktionsfirma Sentana GmbH gegründet, in den 70er Jahren war sie unter seiner Regie oft als Charakterdarstellerin zu sehen.

Er war auch Regisseur der Serie „Die schnelle Gerdi“, in der Berger 1989 als Taxifahrerin durch München raste. Einem größeren Fernsehpublikum wurde sie bereits als Freundin des Klatsch-Kolumnisten Schimmerlos in Helmut Dietls Kultserie „Kir Royal“ (1986) bekannt. In diesem Jahr arbeitet sie zum ersten Mal mit ihrem ältesten Sohn, dem Regisseur Simon Verhoeven („Männerherzen“), zusammen. Sie drehen gemeinsam eine Familienkomödie. In der Hauptrolle: Frauenschwarm Elyas M“Barek.

Berger hätte seinerzeit wohl einen Frauenschwarm wie O.W. Fischer oder Charlton Heston haben können. Doch ihr Herz schlägt seit fünf Jahrzehnten nur für einen Mann: Mit Michael Verhoeven ist sie seit 1966 verheiratet. Am 26. September feiert das Paar Goldene Hochzeit - ein Tag, auf den Berger sich mehr freut als auf ihren Geburtstag: „Wir gehen immer am 26. auf die Wiesn, fahren Achterbahn, was wir damals auch gemacht haben und mein Mann schießt mir ein Herz, wie er das damals auch gemacht hat.“

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