OLDENBURG Ein Dasein am Rande – das galt schon zu Lebzeiten für den Künstler Walter Schulz-Matan (1889– 1965), auf den trotz zahlreicher Ausstellungen nur wenige einflussreiche Zeitgenossen aufmerksam wurden. „Man hat von diesem Maler bisher wenig oder gar nichts gesehen oder gehört“, schrieb schon der Schriftsteller Oskar Maria Graf 1923. Und so wiederholt sich nur eine Art Lebensmuster: Das einzige Gemälde im Oldenburgischen Staatstheater stammt von diesem deutschen Maler des Magischen Realismus – doch wahrgenommen wird es von kaum jemandem.

Was nicht verwunderlich ist, denn anders als die überlebensgroßen Porträts der Ensemble-Mitglieder, die einem im Foyer optisch geradezu entgegenspringen, hängt das Bild im Rundgang zum Kleinen Haus – zu hoch, um es ohne Nackenschmerzen anschauen zu können, ohne eigene Lichtquelle und nur mit einem winzigen Schildchen versehen, das Auskunft über Maler und Motiv gibt.

Bedeutender Wegbereiter

An diesem Schattendasein dürfte sich allerdings im Januar 2011, zur Premiere der Oper „Cardillac“ von Paul Hindemith einiges ändern. Bild und Oper sind untrennbar miteinander verbunden und zugleich ein Stück der spannenden Oldenburger Theatergeschichte, die sich nicht nur auf die legendäre Opernpremiere von Alban Bergs „Wozzeck“ 1928/29 im damaligen Landestheater beschränkt. Drei Wochen nach der Uraufführung am 9. November 1926 in Dresden wurde in Oldenburg die Oper „Cardillac“ von Paul Hindemith (1895–1963) inszeniert, der heute als einer der bedeutendsten Wegbereiter der zeitgenössischen Musik gilt.

Das Gemälde zeigt Hindemith in Oldenburg am Dirigentenpult – das Hemd im Schaffensrausch weit aufgeknöpft und den Blick auf ein gestreiftes Unterhemd freilegend, vor ihm ein Notenheft mit der Aufschrift „Cardillac“ und um den Mund ein selbstvergessenes Schmunzeln. Die putzigen Fabelwesen und Instrumente, die sich um ihn herumdrängen, scheint er gar nicht wahrzunehmen, selbst den grinsenden Drachen mit der Goldkette nicht.

Hinweise genug, dass Schulz-Matan nicht nur den Komponisten porträtiert, sondern auch Charakterzüge der Titelfigur gemalt hat, jenen egomanischen Goldschmied, der seine ganze Seele in die Arbeit gibt und es nicht übers Herz bringt, seine Schmuckstücke zu verkaufen.

Künstler und Komponist lernten sich im Jahr 1926 kennen. Im Jahr der Opernpremiere, die Hindemith mit dem Orchester einstudierte und auch selbst dirigieren sollte, hatte der Maler eine Ausstellung im Augusteum, zu deren Eröffnung er aus München angereist war.

Von Sponsoren gekauft

Das Gemälde, das nach Skizzen im Orchestergraben entstand, bot Jahrzehnte später die Tochter des Malers dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte zum Kauf an. Doch der Etat des Museums war erschöpft, erinnert sich Reinhard Knappert, damaliger Verwaltungsleiter des Staatstheaters. Das Gemälde aber erschien passend für das Kleine Haus, das sich gerade im Bau befand. Knappert drückte zunächst den Preis und nahm dann einen guten Bekannten beim Hochbauamt „in den Schwitzkasten“, wie er es selbst formuliert. Offenbar mit Erfolg: Die Arbeitsgemeinschaft Staatstheater Oldenburg mit den Firmen Heinrich Hecker, Ludwig Freytag und Martin Oetken spendete das Bild zur Eröffnung des Theaters im Jahr 1998.

Seitdem hängt es im Kleinen Haus, an zwei Stahlseilen befestigt. Wenn auch nicht mehr lange. Generalintendant Markus Müller plant, das Gemälde auf den Fliegerhorst auszuquartieren: Zur „Cardillac“-Premiere am 22. Januar wird es im Foyer II von Halle 10 hängen – endlich ins rechte Licht gerückt.

Der Roman „Hummeldumm“ von Tommy Jaud und das Buch „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin sind in Deutschland die Bestseller des Jahres. Zu den erfolgreichsten Autoren zählen daneben Jussi Adler-Olsen und Stephenie Meyer. Dies geht aus der Jahresbestseller-Liste des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ hervor.

„Hummeldumm“, die Schilderung der Erlebnisse einer Reisegruppe in Namibia, führt in der Belletristik die Rangliste an. Gleich zweimal unter die Top 10 schaffte es der dänische Krimiautor Adler-Olsen: Sein Buch „Erbarmen“ liegt auf Platz zwei, „Schändung“ auf Platz fünf. Dritter der Jahresrangliste ist Ken Folletts „Sturz der Titanen“. Großer Beliebtheit erfreut sich auch Stephenie Meyer mit ihren Vampirbüchern „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“ und „Bis(s) zum Ende der Nacht“ auf den Rängen vier und sechs.

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Der neue Roman „Freiheit“ des US-Autors Jonathan Franzen liegt auf Platz 14, einen Rang vor Ferdinand von Schirachs zweitem Buch „Schuld“. Dreimal unter den Top 25 platziert sich Kerstin Gier mit ihrer farbigen Fantasy-Trilogie: Ihr kürzlich erschienener Roman „Smaragdgrün“ schafft es gleich auf Platz 24, außerdem ist sie mit „Rubinrot“ (20.) und „Saphirblau (23.) vertreten.

In der Sparte Sachbuch ist der millionenfach verkaufte Bestseller „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin erwartungsgemäß die Nummer eins. Dahinter rangiert „Das Ende der Geduld“ der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die sich in diesem Jahr das Leben genommen hat. Auf Platz drei der meistverkauften Titel: „In der Mitte des Lebens“ von Margot Käßmann, der prominenten Kirchenfrau, die nach einer Alkoholfahrt von ihren Ämtern als Landesbischöfin und als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurückgetreten war. „Auf dem roten Teppich“, die Lebensbilanz von Loki Schmidt, der jüngst gestorbenen Ehefrau von Altkanzler Helmut Schmidt, liegt auf dem achten Platz.

Regina Jerichow Redakteurin (Ltg.) / Kulturredaktion
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