BREMEN An ehrgeizigen Projekten mangelt es dem Bremer Schauspiel derzeit nicht. Bei der aktuellen Premiere ging man nun sogar scharf an die Grenzen der Verständlichkeit. Denn das schwer vermittelbare Stück „Groß und Klein“ von Botho Strauß wurde hier mit vielen höchst seltsamen Bildern zu einem komplett unlösbaren Rätselspiel verschachtelt. Viel Kopfschütteln im Publikum.

Im Jahr 1978 schrieb Botho Strauß diesen Text, der wie ein Puzzle aus Alltagsdialogen funktionieren soll. Zwischen den Rissen der Kommunikation lässt er eine existenzielle Krise aufschei-nen, die teils poetischer, teils kryptischer Natur ist.

Im Kern gibt es tatsächlich so etwas wie eine Handlung: Lotte, eine Frau Mitte Dreißig, ist einsam. Ihr Kontakt zu anderen Menschen ist so empfindlich gestört, dass sie mit Worten nichts ausrichten kann. So irrt sie hinter ihrem Mann her – oder zwängt sich sogar einer fremden Wohngemeinschaft auf. Überall Ablehnung.

Räume spielen bei Strauß dabei eine Hauptrolle. Kafka-eske Barrieren sind dies: Fenster, durch die geblickt wird, Türen die sich nicht öffnen. Lotte steht immer draußen vor der Tür.

Die Regie von Mirja Biel und Joerg Zboralski löst nun große Teile der Vorlage recht unbeschwert auf. In ihrem glasartigen Bungalow sind alle Grenzen zwischen Innen und Außen komplett beseitigt. Und Lotte (Irene Kleinschmidt) lauscht in der ersten Szene nicht dem Klang von Männerstimmen – sondern einem außerirdischen Gefiepe, das sie per Radio empfängt. Sehnt sie sich nach einem Mann? – Nun, hier wohl eher nach einem Marsmenschen.

Je fremder, desto besser – so könnte das Konzept lauten. Hier ein Punk, dort ein Astro-naut. Die rundweg scheußlichen Kostüme sind vermutlich aus einem James-Bond-Film der 60er Jahre geborgt. Und der ebenso geschmacklose Plastikpop-Sound, der wie im Kaufhaus vor sich hindudelt, stammt wunderlicherweise aus den 80er Jahren. Warum diese Mixtur? Man weiß es nicht.

Figuren irrlichtern hier nun von dramaturgischen Zwängen gänzlich befreit herum. Die schauspielerische Leis-tung der Teilnehmer lässt sich dabei kaum beschreiben; besteht sie doch zum Großteil im Ausführen von abstrusen Tätigkeiten. Vorne links bemalt Lotte beispielsweise mit Scheuermilch eine Fensterscheibe, hinten rechts liegt jemand anderes herum und balanciert Obst auf dem Bauch.

Vielleicht handelt es sich wirklich um Theater vom Mars.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.