Baltrum Jux und Schelmerei? Jokus, Scherz und Schabernack? Die klassischen Ostfriesen-Blondinen-Kennen-Sie-den-Kalauerchen? Klar, kennen Sie alles. Aber wie steht’s denn um den norddeutschen „Inselwitz“? Nie gehört? Kaum verwunderlich. Den gibt’s ja auch nur auf Baltrum und ausschließlich gezeichnet. Normalerweise.

Seit zehn Jahren ist das sogenannte „Cartoon-Spektakel“ mitten in der Nordsee beheimatet. Das Konzept ist da schnell erzählt: Plusminus zwölf renommierte Cartoonisten treffen sich einmal im Jahr für eine Woche zu Bier, Bratwurst und Belustigung. Veranstalter Denis Metz – selbst Stiftartist und in der Baltrumer Kurverwaltung tätig – gibt dann jeweils ein Oberthema vor, für das sich die Mitstreiter am Witzefließband abzuarbeiten haben. Fünf Tage lang.

Spannendes neues Feld

Diesmal – beim „Inselwitz X“ – gibt’s zwar auch wieder diese drei großen B’s. Die Basis allen Spaßes aber ist nun eine völlig andere: Pflaster, Wundverbände und Antiseptika liegen neuerdings im kurzerhand zum Atelier umfunktionierten Nationalparkhaus bereit. „Ich wollte da mal was neues ausprobieren“, wirft Metz fast schon entschuldigend ein und verweist aufs aktuelle Thema: „Hering in Linol – Cartoons unter Hochdruckeinfluss.“ Bedeutet: Künstler wie Stephan Baumgarten („Rastafisch“), Michael Holtschulte („Tot aber lustig“) oder Marco Finkenstein („Figurenbrut“) – gleich 15 an der Zahl, allesamt auf analogem oder digitalem Zeichenbrett bewandert – müssen ihren gezeichneten Witz nun schnitzen. Walzen. Drucken. „Für die Teilnehmer ist das sehr spannend“, beteuert Metz. „Wir wollen ja herausfinden, wie sich der Humor entwickelt und verändert, wenn das Motto nicht ein bestimmtes Thema oder Genre, sondern das Werkzeug selbst ist.“ Vorteil: Horizonterweiterung. Nachteil: Alle fangen bei Null an – und fühlen sich in Grundschulzeiten zurückversetzt.

Mit einem winzigen Unterschied: Heute dürfen sie schimpfen und fluchen. Und das tun sie. Ausgiebig. Es sind schließlich die ganz einfachen Dinge, die hier für zusätzlichen Wahnsinn sorgen: „Alles muss spiegelverkehrt angelegt werden – setzt Du da einen Buchstaben falsch an, ist’s geschehen“, sagt Metz, „und da fällt jeder mal drauf rein.“

So groß das Fehlerrisiko sein mag, so überraschend hoch ist da auch der – Obacht – Produktions(durch)schnitt, wie es heißt. Witzfindungsstörungen gibt es demnach offenbar keine, sehr wohl aber einen deutlich reduzierten Humor. Form gleich Inhalt. Da wandern dann halt mal „Linolzeros“ über die Platten oder wird Soulsänger „Linol Richie“ bemüht. Und was bitteschön eine waagrechte Linie mit der ostfriesischen Landschaft zu tun haben soll ... na!

Vernissage am Freitag

Wenn die Teilnehmer am Samstag wieder heimwärts fahren, sollen nicht nur jede Menge druckfähige Linolplatten vorliegen, sondern auch genügend Material, um damit die beliebte Inselwitz-Jahresausstellung zu bestücken.

Was in feinstem und so anfälligem Linol nicht umgesetzt werden kann, kommt dann als klassischer Cartoon sogar noch obendrauf. An diesem Freitag gibt’s bereits die Vernissage zum Wochenatelier im Nationalparkhaus. Nach „Inselkoller“, „Viecher, die auf Friesen starren“ und „Am Pils der Zeit“ wird nun also „Hering in Linol“ gefeiert.

Das ist nicht nur für Teilzeit-Insulaner im Speziellen ein großer Spaß, sondern auch für die deutsche Karikaturistenszene im Allgemeinen. Ab 20 Uhr sind die beteiligten Künstler vor Ort, Live-Musik kommt von Alexx Marrone. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung kann bis zum Jahresende besucht werden.

Bereits an diesem Donnerstagabend findet auf der Kleinkunstbühne im Kinderspöölhus „Hering on Stage – Die Cartoon-Show“ statt. Beginn ist um 20.30 Uhr, der Eintritt kostet 12 Euro (ermäßigt: 8).

Marc Geschonke Redakteur / Redaktion Oldenburg
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