Baku Mit dem historischen Wassermanagement-System in Augsburg und der Bergbauregion Erzgebirge hat Deutschland zwei neue Welterbestätten. Die Zahl der besonders schützenswerten Kultur- und Naturerbes in Deutschland stieg damit auf 46, wie die Deutsche Unesco-Kommission am Samstag mitteilte. Dagegen scheiterte der ursprünglich aussichtsreiche Antrag, den Donaulimes – eine ehemalige Militärgrenze – in Deutschland, Österreich, der Slowakei und Ungarn zum Weltkulturerbe zu erklären. Die deutsche Delegation sprach dennoch von einem großen Erfolg für Bayern und Sachsen gemeinsam mit Tschechien.

Augsburg, die Stadt zwischen den Flüssen Lech und Wertach, wurde als Zentrum des Wasserbaus und der Wasserkraft gewürdigt, in dem sich über acht Jahrhunderte beispielhaft entwickelt habe. Dort spiegelten sich Erfindergeist und Technikgeschichte, sagte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer. „Noch lange bevor die Medizin belegen konnte, wie wichtig Hygiene für unsere Gesundheit ist, gab es in Augsburg seit 1545 eine strikte Trennung von Brauch- und Trinkwasser.“

Wassertürme, Kanäle, Kraftwerke und Prachtbrunnen gehören zu dem Ensemble in Augsburg. Grundlage des Wassermanagement-Systems sei ein ausgeklügeltes und mehr als 200 Kilometer langes Kanalsystem. Die neue Welterbestätte umfasst nach Unesco-Angaben 22 Objekte, darunter auch Wasserwerke der frühen Neuzeit und Brunnen aus der Renaissance. Ein Eiskanal war dort für die Olympischen Spiele 1972 gebaut worden. Er dient heute Kanuten als Trainingsstätte.

Für die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, die in Silberfunden ihren Ursprung hatte, war die Verleihung des UN-Gütesiegels ein lange ersehnter Traum. Seit mehr als 20 Jahren gab es die Bemühungen. Delegierte sprachen von einem „Meisterwerk menschlicher Kreativität“ und einer Anlage von universellem Wert. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) lobt das Projekt in Baku als Beispiel für internationale Zusammenarbeit. Es ist die erste gemeinsame Welterbestätte von Deutschland und Tschechien.

Die Region bewarb sich auf sächsischer Seite mit 17, auf tschechischer Seite mit 5 Bestandteilen um den Titel. Die Denkmäler, Natur- und Kulturlandschaften repräsentieren als Zeugen einer 800-jährigen Geschichte die wichtigsten Bergbaugebiete und Epochen des sächsisch-böhmischen Erzbergbaus.

„Das sächsisch-böhmische Erzgebirge war seit dem 12. Jahrhundert Impulsgeber für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in Bergbauregionen auf dem gesamten Kontinent“, sagte Böhmer von der Unesco. Bergleute hätten von dort ihr Handwerkswissen in die Welt getragen. Die 1765 im erzgebirgischen Freiberg gegründete Bergakademie ist die älteste noch bestehende Einrichtung ihrer Art.

Von einem „außerordentlichen Ereignis“ sprach Jana Mrackova-Vildumetzova von der tschechischen Kreisverwaltung in Karlovy Vary (Karlsbad). Sie hoffe, dass Touristen die Region ab sofort nicht nur als idealen Wintersportort, sondern auch als Kulturlandschaft wahrnehmen würden.

Zur Entscheidung bei der diesjährigen Sitzung standen insgesamt 36 Anträge, darunter auch der sogenannte Donaulimes. Der Antrag scheiterte an Änderungswünschen Ungarns.

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