Oldenburg „Und jetzt hebt sich der Vorhang.“ Gerade noch hat Heike Ellermann am Arbeitstisch in ihrer Wohnung, die zugleich als Atelier dient, von ihrer künstlerischen Laufbahn erzählt, da verschwindet sie in einem 1,80 mal 1,80 großen schwarzen Kasten: In ihrem Papiertheater, in dem sie ihre eigenen Stücke aufführt, den Text von Schauspielern gesprochen, die Musik professionell eingespielt. Ein komplettes Theater im Miniaturformat – inklusive selbst gestalteten Kulissen, Beleuchtung und zierlichen Figuren.

Auftritte mit dem Papiertheater

In ihrem Papiertheater spielt Heike Ellermann an diesem Mittwoch, 17 Uhr, ihr Stück „Die Papiertiger“ (ab 8) in der Landesbibliothek Oldenburg (Pferdemarkt). Am Freitag, 1. November, 18.30 Uhr, folgt „Der Gänsegeneral“ in der Oldenburger Buchhandlung Libretto, Theaterwall 34.

Eine Ausstellung ihrer Malerbücher ist noch bis zum 9. November in der Stadtbibliothek Braunschweig zu sehen.

www.heike-ellermann.de

Das lasse sich ganz leicht ab- und wieder zusammenbauen, wischt sie etwaige Bedenken vor allem im Hinblick auf den steilen Treppenaufgang vom Tisch. Mit ihrem Papiertheater und rund 50 Lesungen im Jahr verdient die Oldenburger Autorin und Illustratorin ihren Lebensunterhalt. Doch daneben hat sie sich in den vergangenen Jahren auch wieder der freien Kunst zugewandt.

15 Bilderbücher

Seitdem die 15 Bilderbücher der Kibum-Preisträgerin – die meisten nicht nur illustriert, sondern auch selbst getextet – kaum noch im Buchhandel erhältlich sind, hat sie den Spaß daran etwas verloren. Die Programme wechselten immer schneller, sagt sie und räumt ein, dass ihre Bücher auch nicht unbedingt ins gängige Bild passen. Sie handeln vom Anderssein, Krieg oder vom Tod eines Kindes, sensibel erzählt und kunstvoll collagiert.

Also erzählt Heike Ellermann seit 2001 Geschichten „anderer Lesart“: In den kostbar anmutenden Malerbüchern der 68-Jährigen, die sie mit ihrem handwerklichen Geschick auch fachgerecht gebunden hat, finden sich Zeichen auf farbig gemaltem Grund, die entfernt an Buchstaben erinnern, nur lesen lassen sie sich nicht. Es ist eine geheimnisvolle Kurzschrift, abstrakte Malerei, die keinem Inhalt gehorcht.

Ordentlich, fast penibel geordnet ist der Arbeitsplatz der Künstlerin, Schubladen und Ablagen sind sorgfältig beschriftet. Kreatives Chaos ist ihre Sache nicht. Ordnung ist im Fall von Heike Ellermann die halbe Kunst, denn schon immer hat sie Neues in Angriff genommen, haben sich zusätzliche Arbeitsfelder aufgetan, sich überschnitten oder parallel existiert. Eines allerdings haben sie alle gemeinsam: das Papier.

Nach ihrem Studium der Pädagogik und Kunstpädagogik in Braunschweig, Tübingen und Oldenburg, einer vergleichsweise kurzen Zeit im Schuldienst und in der Erwachsenenbildung, arbeitet sie seit 1982 freischaffend – als Malerin, Fotografin und Grafikerin.

Aquarell-Landschaften

Fotografiert hat sie schon immer, auch zarte Aquarell-Landschaften hat sie gemalt. „In manchen Zahnarztpraxen vergilbt noch so mancher Druck“, amüsiert sie sich. Und von den dazugehörigen Postkarten lagern in einem Schrank noch ein paar tausend. Schließlich folgte ihr erstes Kinderbuch-Manuskript, „Ein Brief in der Kapuzinerkresse“, mit dem sie 1986 gleich den Oldenburger ­Kibum-Preis gewann.

Noch immer hat sie Ideen für Kinderbücher im Kopf, sind Ausstellungen geplant. Ein Ende der Kreativität scheint nicht in Sicht zu sein. Nur zwischendurch macht sie mal eine Pause vom Papier und entspannt in ihrem kleinen Zirkuswagen am Weserdeich.

Regina Jerichow Stellv. Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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