Atlanta Um nichts weniger als den Godfather of Soul, den bedeutendsten Soulsänger der USA, nämlich James Brown, geht es in James McBrides Roman „Black and proud“. Der Titel ist dem Hit „Say ist loud: I’m black and I’m proud“ entlehnt und weist auf Browns Haltung und seine Erfahrungen als schwarzer Musiker im weißen Amerika hin.

Es ist ein Recherche-Roman, in dem McBride zahlreiche Begegnungen mit Musikern und Menschen, die James Brown kannten, schildert. Die Recherchefahrt gibt die Klammer für die Schilderung des mitunter bizarren Lebens des Ausnahmemusikers, der selbst keine Noten lesen konnte, aber seine Mitmusiker mit seinem Perfektionsdrang in den Wahnsinn treiben konnte.

Vier Ehen

Ausgangspunkt für Autor James McBride ist der Umstand, dass auch mehr als zehn Jahre nach dem Tod des Musikers sein Vermächtnis nicht umgesetzt wurde. Das auf 100 bis 200 Millionen Dollar geschätzte Vermögen Browns sollte nach dem Willen des Erblassers einer Stiftung zufließen, die die Schulbildung armer Kinder in Georgia und South Carolina verbessert. Einige von Browns Kindern und seine Partnerin (die, wie sich herausstellte, mit Brown eine Ehe eingegangen war, ihre vorherige aber nicht gelöst hatte) klagten gegen das Testament und verhinderten die Verwendung des Vermögens im Sinne Browns. Brown selbst hat einiges dazu beigetragen, dass nach seinem Tod diese Situation entstand.

Autor James McBride, selbst Sohn einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters und selbst Musiker (Saxofon), weiß in den Gesprächen mit Informanten die Nuancen der Kluft zwischen dem weißen und schwarzen Amerika eindrucksvoll zu schildern. Durch die wird deutlich, warum James Brown ein so überragender wie exzentrischer Musiker wurde. Und warum die schrillen Töne seines Privatlebens die musikalischen Talente so oft übertönten: Aus vier Ehen und noch mehr Beziehungen entstammten sechs anerkannte Kinder (dazu ein adoptiertes und vier nicht anerkannte Kinder).

Seinem Perfektionismus auf der Bühne und bei Proben entsprach das Chaos im Privaten, wobei für Brown die Familie einen sehr hohen Stellenwert hatte so wie Schulbildung. Er riet allen jungen Leuten, die ihm begegneten, auch den Schulabschluss zu machen – und so ist wohl auch sein Wunsch entstanden, sein Vermögen einer Stiftung zu übertragen für eben diesen Zweck. Übrigens heißt es nicht, dass die Stiftung schwarzen Kindern Bildung ermöglichen solle, sondern armen Kindern.

Komplexe Sache

James McBride ist ein äußerst lesenswertes Stück über die Befindlichkeiten im Verhältnis des weißen und schwarzen Amerikas und die Bedeutung schwarzer Musik für die westliche Kultur gelungen. Seine frühere Tätigkeit als Journalist hilft ihm bei der Recherche und Darstellung der komplexen Materie – Lebensdaten, Widersprüche und Irrtümer kann McBride so aufklären und für den Leser aufbereiten.

Zuletzt hatte McBride den „National Book Award“ für seinen Schelmenroman „Das verrückte Tagebuch des Henry Shackleford“ erhalten, der im Sklaverei-Konflikt in der Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist.

Lesenswert, aber leider nicht mehr erhältlich, ist McBrides „Die Farbe von Wasser“, in der der Autor schildert, wie seine Mutter, eine polnische Jüdin, in die USA kommt und zum Entsetzen ihrer Familie in New York einen Schwarzen heiratet. McBride ist das achte Kind des Paars.

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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