Neuruppin (dpa) - Weltverbesserungsleidenschaft, Schuhbürstenbart, Gemütlichkeitsrangliste - das sind Wortgebilde, die Theodor Fontane schuf. Zu seinem 200. Geburtstag wird der Schriftsteller und Journalist nun ausgiebig geehrt.

Mit einem Festakt in seiner Geburtsstadt Neuruppin (Brandenburg) eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Samstag das Fontanejahr 2019. Steinmeier und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprachen in ihren Reden über Werk und Lebensweg des Literaten.

Fontane sei eine Ausnahmeerscheinung unter den Schriftstellern des 19. Jahrhunderts gewesen, sagte Steinmeier in seinem Grußwort in der Kulturkirche. "Seine Romane spiegeln weniger das alte Preußen als vielmehr den Konflikt von Tradition und Moderne und sind vielleicht gerade deshalb so unverändert aktuell." Woidke erklärte: "Wer die Mark Brandenburg kennen und verstehen lernen will, der muss Fontane lesen."

Zuvor hatte Woidke gemeinsam mit dem Bundespräsidenten die Ausstellung "fontane.200/Autor" und das Geburtshaus des Dichters besichtigt. Fontane habe sich als gelernter Apotheker mit menschlichen Krankheiten ausgekannt und gewusst, "dass es kein Allheilmittel gibt und nichts so unersetzlich ist wie ein Gespräch", sagte Steinmeier. Im dreißigsten Jahr der Deutschen Einheit solle man daran denken. "Wir brauchen das Gespräch zwischen Ost und West mehr und intensiver, als wir das lange gedacht haben."

Fontane wurde am 30. Dezember 1819 in Neuruppin geboren. Er schuf Werke wie "Effi Briest" oder "Irrungen, Wirrungen". Mit ihnen zeichnete und prägte er das Bild Preußens im 19. Jahrhundert. In seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" beschrieb er die Region so, wie er sie erlebte: rau und liebenswert. Fontane starb 1898 in Berlin.

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