Dessau-Roßlau (dpa) - Das Bauhaus mit seiner schlichten Architektur und seinen klaren Linien im Design hat die Welt verändert - und feiert im kommenden Jahr seinen 100. Geburtstag. Zum Jubiläum steht es im Mittelpunkt eines ARD-"Eventfilms", für den derzeit am zentralen Bauhausgebäude in Dessau gedreht wird.

Wo sonst Besuchergruppen und Architekturstudenten unterwegs sind, leuchten heute riesige Scheinwerfer von Kränen. Die 20er und 30er Jahre werden zum Leben erweckt. Jörg Hartmann ("Weißensee") steht in einem weit geschnittenen rotbraunen Anzug vor dem bekannten Schriftzug "Bauhaus" an der Glasfassade.

Hartmann spielt den Architekten und Bauhausdirektor Walter Gropius (1883-1969), der die Bewegung anführte und zusammenhielt. "Ich interessiere mich extrem für Architektur", sagt der Schauspieler. Insofern kenne er das Bauhaus gut. In die Rolle von Gropius habe er sich tief eingearbeitet, die wenigen vorhandenen Film- und Tonaufnahmen gesichtet und gehört. Ihn beeindrucke, wie Gropius die verschiedenen Leute zusammengebracht und Teams zusammengehalten habe. "Ich verneige mich davor und ziehe meinen Hut."

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Der Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens, Volker Herres, betont: "Wir wollen nicht nur Kunst- und Architekturgeschichte aufgreifen, sondern Zeitgeschichte emotional transportieren." Im Mittelpunkt steht die junge Kunststudentin Lotte Brendel, die von Alicia von Rittberg ("Charité") gespielt wird. Von der Zeit kurz nach der Gründung des Bauhauses bis zur drohenden Auflösung durch die Nationalsozialisten führt ihre Geschichte die Zuschauer durch den Film. Sie will Tischlerin werden, während ihre Familie für sie die klassische Rolle der Ehefrau und Mutter geplant hat. Lotte schließt sich einer Gruppe junger Künstler an und studiert schließlich am Bauhaus.

Die Bauhausbewegung habe die ganze Welt beeinflusst, sagt Herres. Dabei gehe es nicht nur um die bekannten Stahlrohrstühle, sondern auch um die Visionen und Utopien des gesellschaftlichen Zusammenlebens. "Die Gründer des Bauhauses hatten eine bessere Welt vor Augen." Sie führten die Disziplinen von Kunst, Architektur und Handwerk zusammen. Und auch die emanzipatorischen Gedanken hätten zum Bauhaus gehört. Der Film endet im Jahr 1933 mit der Machtübernahme der Nazis, denen die Bauhaus-Bewegung ein Dorn im Auge war. Die Protagonisten reisen nach Palästina aus.

Tatsächlich hatten Frauen am Bauhaus eine andere Rolle inne als an anderen Hochschulen in der Zeit, hebt der Leiter der Sammlung der Stiftung Bauhaus, Wolfgang Thöner, hervor. Sie seien deutlich gleichberechtigter gewesen - hätten in vielen Fällen allerdings auch Dozenten geheiratet. Wie die Realität am Bauhaus aussah, will die ARD in einer zusätzlichen Dokumentation deutlich machen, die im Anschluss an den Spielfilm gesendet werden soll, voraussichtlich im Frühjahr 2019.

Regisseur Gregor Schnitzler ist wie Hartmann besonders begeistert von den Dreharbeiten an den Original-Bauhausstätten in Weimar und Dessau, auch in Prag wurde gedreht. Mit Blick auf das von Gropius selbst entworfene Bauhaus-Gebäude sagt Schnitzler: "Für mich ist das Gebäude der Hero." Es habe Pläne gegeben, die Schauplätze in Studios zu rekonstruieren. Er sei aber glücklich über die Original-Plätze etwa in Gropius' Büro - auch wenn sie so gut wie keine Veränderungen für das Filmteam zuließen.

Produzent Nico Hofmann von der Firma Ufa Fiction erwartet, dass der Film international auf Resonanz stößt. "Ich rechne mit einem sehr, sehr großen Verkaufserfolg für den Film." International stoße das Bauhaus-Jubiläum auf enormes Interesse.

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