WILHELMSHAVEN Die junge Frau liegt am Boden, blutet im Gesicht, krümmt sich vor Schmerzen. Sie wurde von einer Jugendclique niedergeschlagen. Und die jungen Peiniger treten weiter auf das Opfer ein. Weil sie Stress und Ärger abbauen wollen – nichts weiter. Nur einer fehlt in der Clique. Er geht lieber zum Schwimmtraining und denkt sich: „Mach Sport statt Stress!“

Die authentisch wirkenden Bilder sind erschreckend, aber das sollen sie auch sein. Es sind die Szenen eines vierminütigen Präventionsfilms gegen Gewalt, der am Donnerstag in der Kinowelt Wilhelmshaven mit vielen Gästen Premiere feierte.

Der Verein zur Förderung kommunaler Prävention Wilhelmshaven (VKP) hat den Spot mit der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland und mit Unterstützung der Bürgerstiftung der Sparkasse Wilhelmshaven produziert. Projektleiter war Matthias Bulla vom VKP.

„Gewalt ist ein schlimmes Phänomen in der Gesellschaft, da müssen wir gegensteuern“, sagte der VKP-Vorsitzende Horst Heitmann. Wie wichtig eine intensive Präventionsarbeit ist, belegte der Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, Hans-Henning von Dincklage, mit Zahlen. So hätte Wilhelmshaven bei den so genannten Rohheitsdelikten eine Zeit lang einen erschreckenden Spitzenplatz belegt. Darunter fallen Straftaten wie Körperverletzung und Raub. Dies sei ein Grund für verstärkte Aufklärung und Vorbeugung gewesen – und nicht zuletzt für die Gründung des VKP. Offensichtlich mit Erfolg: Zwischen 2008 und 2010 sei die so genannte Belastungszahl bei Rohheitsdelikten in Wilhelmshaven um 18 Prozent zurückgegangen, bei Körperverletzungen sogar um 30 Prozent.

Der neue Anti-Gewalt-Spot soll gezielt Jugendliche ansprechen. Er soll den Gruppendruck in Jugendgangs deutlich machen. „Wenn wir nur einen Jugendlichen von einer Gewalttat abbringen können, ist das schon ein Erfolg“, betonte Jugendamtsleiter Carsten Feist.

In der Kinowelt wird der Film an ausgewählten Tagen als Vorfilm gezeigt. Vor allem aber kommen Mitarbeiter der Polizei und des Jugendamts mit dem Film in Schulklassen ab Jahrgang 7. Die Klassenbesuche beginnen nach den Herbstferien.

„Puzzle Pictures“ aus Wilhelmshaven wurde als Produktionsfirma engagiert. Gefilmt wurde nachts auf dem ehemaligen KSW-Gelände (Gewerbeforum Banter See). Nach vier Tagen war der Film im Kasten.

Das Besondere: Die Darsteller im Spot sind allesamt Laien und junge Erwachsene aus Wilhelmshaven. Einige von ihnen treiben Kampfsport und sorgten für richtige Stunts und Luftsprünge. Dass sie aber mit roher Gewalt nichts am Hut haben, bewiesen die jungen Darsteller gleich nach der Premiere. Da saß das „Opfer“ Tammy Scheibner (17) friedlich mit Denis Gilz (22) bei Kaffee und Kuchen zusammen. Gilz spielte den Anführer der Schläger-Clique und wird am Ende in Handschellen abgeführt. Im richtigen Leben ist er Trainer.

Sich selbst auf der großen Kinoleinwand zu sehen, sei ein seltsames Gefühl. Vor allem bei den Gewaltszenen. Das findet auch die 24-Jährige

Die Rolle des „Helden“, der sich für Sport statt Gewalt entscheidet, übernahm Momme Lenuweit (18). „Schwimmen ist überhaupt nicht mein Ding“, sagt er und lacht. Aber Gewalt ganz gewiss auch nicht.

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