Oldenburg Neue Zählweise, Wegfall des Kopfschutzes und die World Series of Boxing (WSB), bei der olympische Boxer unter professionellen Bedingungen in einer Weltliga gegeneinander kämpfen. Amateure und Profis nähern sich offenbar immer stärker an.

Jürgen Kyas widerspricht: „Für uns besteht überhaupt keine Notwendigkeit, uns irgendwem anzupassen. Der Zug ist abgefahren“, sagte der Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV) am Rande der deutschen Meisterschaften in Oldenburg: „Das Niveau vieler Profikämpfe ist doch inzwischen unterirdisch, ohne Dynamik und von schlechter Technik geprägt.“

Kyas ist auch Exekutivmitglied der Aiba, des Weltverbandes der Amateure, deren sportliche Entwicklung der Funktionär lobt. Er spricht von einem Aufwärtstrend, da die Kämpfe wesentlich attraktiver geworden seien. „Das Amateurboxen lebt, wir haben das bessere Produkt“, stichelt Kyas Richtung Profigeschäft.

Dort dominieren seiner Meinung nach inzwischen die kommerziellen Interessen, nicht die sportlichen. Anders sei es bei den Amateuren. Allein bei der öffentlichen Wahrnehmung gebe es Nachholbedarf. Mehr Fernsehpräsenz könne dazu beitragen. Der Verband sei in diesem Bereich auf dem besten Wege. „Wir wurden jahrelang als die Helm-Boxer abqualifiziert, aber die Zeiten sind vorbei.“

Dass der Kopfschutz abgeschafft und die neue Zählweise eingeführt wurde, war Hagen Doering zufolge längst überfällig. „Das gab es doch früher bei den Amateuren auch schon. Ich habe nie verstanden, dass man so lange damit gewartet hat“, sagt der Sportdirektor des Profibox-Stalls von Wilfried Sauerland.

Zwischen beiden Lagern sieht er deutliche Unterschiede. „Es ist wie mit einem 400- und einem 10 000-Meter-Läufer. Der Erste muss – wie der Amateurboxer über drei Runden – von Beginn an Vollgas gehen, der Langstreckenläufer die Kräfte einteilen.“ Vor dieser Aufgabe stehe auch der Profiboxer, der über zwölf Runden taktisch klug kämpfen muss. Davon hänge in der Regel auch ab, ob einem Sportler der lukrative Sprung auf die andere Seite gelinge.

Doch ist der für alle verlockend? „Ich fahre lieber zu den Olympischen Spielen und gewinne dort eine Medaille“, fühlt sich Artur Manschos (22) vom VFB Oldenburg bei den Amateuren gut aufgehoben. In Peking und London gingen die Deutschen indes leer aus. „Das Niveau unserer Amateure könnte besser sein“, setzt Doering noch einen verbalen Treffer.


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