Frage: Herr Meyer, Herr Hickstein: Die Mieten steigen, Wohnungen sind gefragt wie nie: Leben wir in festlichen Zeiten für Oldenburger Immobilienbesitzer?

Hickstein: Vielleicht auf den ersten Blick. Sicher gibt es viel mehr Mietinteressenten als noch vor zehn Jahren. Aber nach wie vor ist die entscheidende Herausforderung, Mieter zu finden, die willens und in der Lage sind, die Miete auch längerfristig zu zahlen.

Frage: Apropos zahlen. Bislang stiegen in Oldenburg die Mieten oft nur dann, wenn der Mieter wechselte. Gibt es angesichts der Preisentwicklung eine Tendenz zu Erhöhungen im Bestand?

Hickstein: Das kommt in der Tat häufiger vor – wohl auch, weil es für viele Vermieter zehn bis 15 Jahre kein Thema war. Oft fällt eine Erhöhung aber auch mit Sanierungsinvestitionen zusammen. Dann wird das von den Mietern auch eher akzeptiert . . .

Meyer: . . . weil dadurch die Nebenkosten sinken und die Erhöhung auch Einsparungen bringt. Aber man muss festhalten, dass viele Vermieter die Miete nicht erhöhen, weil ihnen mehr an einem guten Verhältnis zum langjährigen Mieter liegt, als an Mehreinnahmen. Das ist vor allem bei älteren Leuten so. Es ist ein überraschender Fakt, wie viele Senioren Wohnungen besitzen, deren Vermietung Rente oder Pension aufbessert.

Frage: Von welchem Mietniveau reden wir denn im Bestand – geht es an die oft zitierten acht bis neun Euro heran?

Hickstein: Das gibt es nur bei Neuvermietungen, und Makler bestätigen uns, dass dieses Niveau kein Selbstläufer ist. Wir bewegen uns aber selbst bei langfristigen Mietverträgen oft bei fünf bis sechs Euro pro Quadratmeter – bei Objekten in Top-Zustand. Bei Erhöhungen gehen viele Vermieter zudem nicht an die erlaubten Grenzen.

Frage: Würden Sie aktuell von Wohnungsnot in Oldenburg sprechen?

Meyer: Das muss man differenziert sehen. Es ist klar, dass bei einem Zuwachs von 8000 Einwohnern bis 2025 Engpässe entstehen – und Neubau findet eher im gehobenen Segment statt. Ich bin sicher, dass es für Menschen mit kleineren Einkommen schwer ist, bezahlbare Wohnungen zu finden. Dieses Problem lässt sich aber über den privaten Wohnungsbau nicht lösen. Das zu beheben ist klassische Aufgabe des sozialen Wohnungsbaus. Die Stadt Oldenburg geht da mit gutem Beispiel voran, mit ihrem Wohnbauförderungsprogramm. Vielleicht sollte sie aber überlegen, mehr zu tun, etwa mit der Klävemann-Stiftung als Instrument.

Hickstein: Auch kleinere Wohnungen haben heute Top-Ausstattung. Das ist eben nicht billig zu haben. Die Wahrnehmung spielt aber sicher auch eine Rolle. Wer aus dem ländlichen Raum nach Oldenburg zieht, empfindet die Mieten als hoch. Das ginge ihm aber in anderen wachsenden Städten genauso. Ich gehe aber davon aus, dass die Kurve der Mieterhöhungen deutlich sinkt, weil die Nebenkosten des Wohnens weiter steigen werden.

Frage: Könnte man nicht ein wenig einfacher bauen?

Meyer: Wir können sicher keine Schlichtbauten propagieren, aber es muss auch nicht immer das De-Luxe-Programm sein,

Hickstein: Man darf auch nicht aus dem Auge verlieren, dass der Vermieter Rücklagen für Sanierung und Reparaturen bilden muss. Das muss eine Wohnung erwirtschaften.

Frage: Sie sprachen vorhin davon, dass Vermieter vornehmlich zuverlässige Mieter suchen. Gibt es denn so viele unzuverlässige Mieter?

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den NWZ-Wirtschafts-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Hickstein: Zahlungsausfälle sind immer ein Thema. Das beschäftigt uns fast täglich. Solche Fälle führen auch oft dazu, dass Wohnungen nicht wieder vermietet werden – vor allem, wenn der Vermieter im gleichen Haus wohnt. Wer einmal eine solche Erfahrung macht, fasst das Thema nicht wieder an. Zunehmend bekommen wir aber auch Fälle auf den Tisch, in denen Mieter beim Auszug die Wohnung in indiskutablem Zustand zurücklassen.

MEyer: Der Standard, den wir als normal definieren würden, wird in dieser Hinsicht leider nicht von allen so gesehen.

NWZ-Immo.de
Mieten oder kaufen, Wohnung oder Haus, Gewerbe oder Grundstück?

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
Christoph Kiefer Chefreporter / Reportage-Redaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.