Frage: Viele Landwirte sind nach Ihren Worten derzeit verunsichert. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Roberg: Zu Jahresbeginn waren die Märkte für landwirtschaftliche Produkte in Deutschland noch ziemlich in Ordnung. Doch jetzt sorgen die Krim-Krise, die Schweinepest in Polen und im Baltikum, Importsperren für europäisches Schweinefleisch in Russland, Preisstürze bei Milchprodukten und Eiern oder explodierende Getreidepreise für Verunsicherung bei den Landwirten.

Frage: Wie haben sich die Schweinepreise denn ganz konkret entwickelt?

Roberg: Ende vergangenen Jahres hatten die Schlachthöfe den Mästern noch 1,65 Euro pro Kilogramm Schwein gezahlt. Danach wurde der Preis

sukzessiv bis auf 1,47 Euro reduziert. Dann plötzlich stieg der Schweinepreis um 13 Cent in einer Woche und gerät jetzt wieder unter Druck. Die Mäster gelangen in die Verlustzone. Die Gründe für diese Schwankungen können wir Landwirte kaum nachvollziehen. Da fehlen am Erlös bei jedem verkauften Schwein derzeit schnell etwa 15 bis 20 Euro.

Frage: Was ist Ihrer Ansicht nach der Grund dafür?

Roberg: Ich gehe davon aus, dass der Lebensmittelhandel seine überlegene Marktposition ausnutzt und Druck auf die Zerlege- und Schlachtunternehmen ausübt. Zusätzlich drängen die ebenfalls unter dem russischen Einfuhrverbot leidenden Erzeuger aus Polen und Dänemark mit ihrem Schweinefleisch auf den deutschen Markt. Das führt zu weiteren Verwerfungen im Wettbewerb und einem weiteren Sinken der Erzeugerpreise. Die Schlachtunternehmen haben die letzten Wochen genutzt, um ihre Kühlhäuser mit günstig eingekaufter Fleischware zu füllen. Ich vermute, dass es unter großen Schlachtunternehmen regelmäßig zu Preisabsprachen kommt.

Frage: Das ist sicherlich nicht in Ihrem Sinne.

Roberg: Ganz und gar nicht. Eine partnerschaftliche Zusammenarbeit von Landwirten und Schlachthöfen sollte anders aussehen. Das überall diskutierte Tierwohl muss ja schließlich auch finanziert werden.

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Martin Roberg (49)ist Schweinehalter, lebt in der Gemeinde Essen im Landkreis Cloppenburg und kümmert sich als stellvertretender Vorsitzender des Kreislandvolkverbandes Cloppenburg um die Belange seiner Berufskollegen.


Infos unter   www.klv-clp.de 
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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