Frage: Frau Neuß, Sie sprechen vom Paradigmenwechsel der notwendig ist, um den Zusammenhalt der Generationen zu erhalten. Übertreiben Sie da nicht ein bisschen?

Neuß: Lediglich vier Prozent der 15- bis 20-Jährigen haben einmal pro Woche Kontakt zu älteren Menschen – die eigenen Großeltern eingeschlossen. Und nur zehn Prozent aller 21- bis 29-Jährigen in der Bundesrepublik. Das sollte uns beunruhigen. Dazu kommt: Wer sagt uns eigentlich, dass die Trennung der Menschen in Kindergärten, Altenheimen oder ähnliche Einrichtungen das richtige Modell ist? Wenn es über Jahrhunderte hinweg so war, dass man generationenübergreifend zusammengelebt haben.

Frage: Warum ist es wichtig, dass sich Jung und Alt begegnen?

Neuß: Es gibt das Bedürfnis der Älteren, ihr Wissen weiterzugeben, aber auch zu lernen. Was sich verändert hat, ist, dass nicht mehr die ältere Generation alleine die lehrende ist, sondern auch die jüngere kann das sein. Denken wir an die I-Phones. Mein Credo ist, die Ressourcen der Generationen mindestens zeitweise am Tag zusammenzubringen, statt sie zu trennen.

Frage: Was können Generationen voneinander lernen?

Neuß: Normen und Werte auf der einen Seite, aber auch alltägliches Wissen. Wir stellen fest, dass viele Grunddinge, um den Alltag zu bewältigen, heute nicht mehr weitergegeben werden. Es fängt bei banalen Dingen an wie Volksliedern, Märchen, Marmelade kochen oder stricken. Andererseits ist es für die Älteren interessant zu erfahren, was heute gelesen wird.

Frage: Wie genau bringen Sie Ältere und Jüngere in Dülmen zusammen?

Neuß: Wir planen seit 2011 ein ‚Haus für alle Generationen‘ – das sogenannte ‚Intergenerative Zentrum Dülmen (IGZ)‘: Pfarrbüro, Bücherei, eine Fünf-Gruppen-Kita, die Ehrenamtsbörse, Familienzentrum und -bildungsstätte und weitere Angebote werden alle unter einem Dach sein. 2018 soll spätestens Richtfest sein. Das Besondere: Kirche und Stadt haben sich gemeinsam auf den Weg gemacht, ein Haus für alle Generationen zu schaffen.

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Für den Zusammenhalt der Generationen setzt sich Irmgard Neuß von der Familienbildungsstätte Mehrgenerationenhaus Dülmen ein. Sie bedauert, dass viele junge Menschen heutzutage kaum noch Kontakt zu Älteren haben.


Infos unter   www.igz-duelmen.de 
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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