Frage: Herr von Seggern, erzählen Sie mal einen Witz!

Von Seggern: Kann ich nicht. Überhaupt nicht. Das würde nur peinlich werden und überhaupt nicht lustig. Ich kann nur welche ablesen, weil ich mir die Pointen nicht merke.

Frage: Ihre verpatzten Witze sind aber am Abend nicht der Grund zum Lachen?

Von Seggern: Nein. Ich selbst lese die Witze vor. Mein Kompagnon und Mitmoderator Dirk Meyer ist besser im Vortragen. Er ist Kunstvermittler und ein ebenso spezieller, wie humorvoller Typ. Wir werden gemeinsam dem Publikum Einblick in historische Witze geben.

„Witz komm raus!“ im Stadtmuseum

Ein humorvoller Abend erwartet das Publikum des Stadtmuseums (Am Stadtmuseum 4-8) an diesem Mittwoch. Ab 19 Uhr heißt es im historischen Salon Hassenbürger: „Witz komm raus! Lachen zu Francksens Zeiten“. Vorgelesen werden Schätze aus der Bibliothek des Museumsgründers Theodor Francksen.

Moderieren und gestalten werden die Veranstaltung Museumsleiter Dr. Andreas von Seggern und der Kulturwissenschaftler Dirk Meyer. Der Eintritt ist frei.

Frage: Sind die nicht überholt?

Von Seggern: Sagen wir mal nicht mehr zeitgemäß. Humor orientiert sich ja immer am aktuellen Geschehen. Vieles erschließt sich heute nicht mehr. Bei der Veranstaltung geht es aber auch um Kulturgeschichte – nicht nur ums Lachen. Wir wollen zum Nachdenken anregen.

Frage: Klingt ernst...

Von Seggern: Auch. Wir tragen Dinge aus der Witzsammlung Theodor Francksens vor. Die erstreckt sich vom 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg. Daran sieht man sehr anschaulich, wie sich die Humorkultur geändert hat.

Frage: Zum Beispiel?

Von Seggern: Witze über Juden. Die gab es aus gegebenem Anlass nur bis 1945.

Frage: Die lesen Sie vor?

Von Seggern: Das will ich nicht ausschließen. Dem Publikum darf auch das Lachen im Halse stecken bleiben.

Frage: Hat Humor keine Grenzen?

Von Seggern: Doch natürlich. Dort, wo es ganz klar antisemitisch wird, hört es auf witzig zu sein. Auch böswilliges gehört meiner Meinung nach nicht vor ein Publikum. Schamgrenzen sind allerdings immer individuell verschieden.

Frage: Abgesehen von Judenwitzen – gab es früher mehr zu lachen?

Von Seggern: Würde ich nicht sagen.

Frage: Heute zu Leben ist lustiger? Gibt es mehr Dinge, über die wir Witze machen können?

Von Seggern: Witze gibt es nie genug. Humor ist ein Mittel um Frustration los zu werden – und das Beste, um gesund zu bleiben. Selbst, wer wie ich keine Witze erzählen kann, sollte empfänglich dafür bleiben. Wenn wir den Humor total verlieren – was bleibt dann noch vom Leben?

Frage: Behält der Deutsche an und für sich genug Humor?

Von Seggern: Auf jeden Fall ist er nicht so humorlos, wie sein Ruf. Wir haben eine lange Tradition des Kabaretts und der Satire. Die Texte von Heinrich Heine etwa sind überaus satirisch. Dieses Klischee vom verbitterten Deutschen kann ich nicht teilen. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir nicht noch mehr lachen könnten – mehr Entspannung täte diesem Land sicher gut.

Frage: Bei welcher Art Humor entspannen Sie sich?

Von Seggern: Ich bin ein Freund der gehobenen Satire. Wir hatten im Stadtmuseum eine Ausstellung des Schriftstellers und Zeichners Robert Gernhardt – sowas gefällt mir. Mit derbem Witz kann ich nichts anfangen.

Frage: Wann haben Sie das letzte Mal herzlich gelacht?

Von Seggern: Gerade eben.

Frage: Und worüber?

Von Seggern: Das kann ich jetzt schon nicht mehr wiedegeben. Es war eine Situation zwischen Kollegen... Wir lachen hier übrigens oft. Ich habe mich heute schon vier, fünf Mal bestens amüsiert. Im Museum geht es wesentlich humorvoller zu, als viele Menschen denken.

Frage: Das können Sie ja heute Abend beweisen...

Von Seggern: Ich will es versuchen...

Lea von Deylen Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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