27 Jahre lang
Filmfest hinter Gittern läuft auch ohne den Ex-Chef

Seit 2006 ist das Oldenburger Gefängnis Spielstätte des Filmfests. Dass das so bleibt, dafür hat der ehemalige Leiter Gerd Koop gesorgt.

Bild: Tobias Frick
Im Knast, aber nur ein paar Stunden: Schauspielerin Veronika Ferres war 2013 bei einer Vorführung in der Oldenburger JVA dabei.Bild: Tobias Frick
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Frage: Seit 2006 ist die JVA Spielstätte beim Filmfest. Wer kam auf die Idee?
Koop: Torsten Neumann und ich trafen uns 2006 bei einer Benefizveranstaltung des Präventionsrates, dessen Vorsitzender ich damals war. Natürlich sprachen wir auch über die von mir geleitete JVA. Ich fragte ihn, ob man in der JVA nicht auch einmal einen Film im Rahmen des Oldenburger Filmfestes zeigen könne. Er war von dieser Idee sofort begeistert. Tage später rief er mich an und das war die Geburtsstunde des bis heute weltweit einzigartigen Projekts.
Frage: Was macht das mit einem Gefängnis, wenn es in so ein gesellschaftliches Ereignis eingebunden ist?
Koop: Das Filmfest hat die JVA, das Personal und auch die Inhaftierten in den 13 Jahren unserer Beteiligung nachhaltig verändert. Zunächst galt es, das Personal von der Idee zu begeistern, denn ohne den Rückhalt des Personals wäre eine solche Veranstaltung unmöglich zu realisieren gewesen. Ferner gab es viele Sicherheitsfragen zu klären und schließlich musste auch die Vollzugspolitik dieses einzigartige Projekt akzeptieren. Alles ist gut gelungen. Alle bisherigen Justizministerinnen und Justizminister eröffneten das Filmfest in der Spielstätte JVA Oldenburg, genauso wie unsere Oberbürgermeister Gerd Schwandner und Jürgen Krogmann. Wir haben weltweite Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten. Besonders freue ich mich über die gute Resonanz der Inhaftierten aus Oldenburg und der JVA für Frauen in Vechta, die seit 10 Jahren auch dabei sind. Die Beteiligung am Filmfest entspricht dem Leitbild der JVA Oldenburg, dass die Gefangenen nach ihrer Entlassung wieder unsere Nachbarn sein sollen. Insofern ist das Filmfest auch ein Übungsort für das Leben danach.
Frage: Sie persönlich sind nun im Ruhestand. Wie geht es mit der Kooperation zwischen JVA und Filmfest weiter?
Koop: Die Kooperation hat 13 Jahre funktioniert. Sie ist unabhängig geworden von meinem Engagement. Ich habe vor „meiner Entlassung“ aus der Haft entsprechende Vorsorge getroffen. Das Filmfest ist Teil der Resozialisierungsarbeit der JVA und wird weiterhin vom Personal unterstützt und von den Inhaftierten gewünscht. Wichtig ist die Akzeptanz der Öffentlichkeit und der Politik. Mein kommissarischer Nachfolger, Ltd. Regierungsdirektor Oliver Wessels, der auch die JVA für Frauen in Vechta leitet, wird das diesjährige Filmfest in der Anstalt gemeinsam mit dem niedersächsischen Justizstaatssekretär Dr. von der Beck und natürlich mit Torsten Neumann eröffnen.
Frage: In diesem Jahr sind Sie dafür anders beteiligt: als Berater für den Film „Angst in meinem Kopf“. Wie haben Sie diese Aufgabe erlebt?
Koop: Der Regisseur Thomas Stiller und ich haben uns vor vielen Jahren beim Filmfest kennen- und schätzen gelernt. Wir haben seit Jahren immer wieder engen Kontakt miteinander. Für mich ist Thomas Stiller einer der herausragenden Filmemacher in Deutschland, der sich im Übrigen immer fachlich bei seinen Drehbüchern beraten lässt. Ich empfand es als große Ehre, dass ich das Drehbuch vorher lesen und etwas dazu einbringen durfte. Der Film, der ja viel mit dem Strafvollzug zu tun hat, ist höchst anspruchsvoll, spannend und herausfordernd. Er wird viele Diskussionen auslösen.
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