Frage: Wie ist in Ihrer Stadt die Stimmung nach den Angriffen von Asylbewerbern auf Passanten?

Cerny: Die Situation ist relativ ruhig. Einige Bürger haben die Vorfälle mit Sorge betrachtet, aber insgesamt gehen sie souverän mit dem Thema um. Wir hatten vorher eine gute Sicherheitslage, und die haben wir auch jetzt.

Frage: Es gibt Berichte über eine rechte Bürgerwehr, die aufgetreten sei, um nach den Gewalttaten für Sicherheit zu sorgen. Was ist dran?

Cerny: Vier oder fünf Personen sind mit roten Westen durch Amberg gezogen. Das sieht man auf Fotos, die auf NPD-Webseiten und in sozialen Medien verbreitet wurden. Demnach soll die Gruppe auf dem großen Löwen vor dem Rathaus geturnt haben. Inzwischen sind einige dieser Bilder wieder gelöscht worden. Das waren ein paar traurige Gestalten, aber wohl keine Bürgerwehr. NPD und AfD versuchen schon seit Längerem, aus solchen Situationen Kapital zu schlagen. Da werden reale Ereignisse mit Fake News hinterlegt, um etwas zu konstruieren, was gar nicht stattgefunden hat. Das dürfen wir nicht zulassen.

Frage: Sie fordern von Bund und Ländern Konsequenzen nach den Übergriffen, wollen klare Signale und schärfere Asylgesetze. Was erwarten Sie?

Cerny: Dass sich junge Asylbewerber betrinken und umherschlagen, das haben wir so in der Stadt noch nicht gehabt, und das wollen wir auch nicht noch einmal sehen. Da muss ich die Polizei und die Justiz loben: Sie sind sehr schnell eingeschritten. Wir, die Kommunen, vollziehen auf der einen Seite das Ausländergesetz über die Behörden, haben andererseits die Aufgabe der Integration. Wir investieren in Bildung, in die Jobsuche. Das ist es, was mich als Bürgermeister bewegt: Nicht jeder sollte unter Generalverdacht gestellt werden, der diesen Integrationsweg mit uns geht. Es muss aber auch jedem Asylbewerber klar sein, dass ein Fehlverhalten Konsequenzen hat.

Frage: Werden da nicht falsche Erwartungen geweckt? Bayerns Innenminister Joachim Hermann etwa verweist darauf, dass die Abschiebung der Täter illegal wäre…

Cerny: Aufgrund internationaler Verpflichtungen können wir einen Menschen natürlich nicht in ein Land abschieben, in dem ihm Folter und Tod drohen. Das ist auch eine Frage der Humanität. Das heißt aber nicht, dass eine Gewalttat sanktionslos bleiben kann.

Michael Cerny (54) ist Oberbürgermeister der Stadt Amberg. Der CSU-Politiker wurde 2014 gewählt.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.