Frage: Herr Hofreiter, Trauer und Entsetzen nach der tödlichen Amokfahrt in Münster. In den sozialen Netzwerken – aber auch in einigen Medien – gab es unmittelbar nach der schrecklichen Tat den Verdacht, dass es ein islamistischer Terroranschlag war. Es folgte eine Welle des Hasses, von Vorverurteilungen und Hetze gegen Ausländer und Muslime. Wie haben Sie die Reaktionen und die Debatte wahrgenommen?
Hofreiter: Es ist eine schreckliche Tat, da denke ich zuerst an die Opfer und ihre Familien. Die Rettungskräfte und die Polizei haben eine großartige Arbeit geleistet. Diese ersten Spekulationen und Behauptungen nach der Tat, bevor überhaupt irgendwas klar war, das ist widerlich. Da wollen einige rechte Hetzer das Leid der Menschen instrumentalisieren, um ihre rassistische, islamfeindliche Agenda voranzutreiben.
Frage: Der Zentralrat der Muslime beklagt wachsende Islamophobie. Deutsche Täter seien „psychisch gestört, muslimische dagegen islamistische Terroristen“, beklagt der Vorsitzende Aiman Mazyek. Ein berechtigter Vorwurf?
hofreiter: Wachsende Islamophobie ist in der Tat eine besorgniserregende Tendenz. Die Muslime haben es genauso verdient, geschützt und verteidigt zu werden, wie jede andere Religionsgemeinschaft. Den Satz von Aiman Mazyek würde ich mir nicht zu eigen machen. Denn wir haben weltweit und in Europa mit islamistischem Terror ein erhebliches Problem. Den müssen wir bekämpfen, ohne dafür den Islam oder die Muslime verantwortlich zu machen.
Frage: Lassen sich die Innenstädte besser gegen solche Amokfahrten schützen? Müssen die aktuellen Sicherheitskonzepte überprüft werden?
Hofreiter: Eine hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben. Aber Ereignisse wie diese zeigen auch, dass wir ein Bundessicherheitskonzept für Ballungsräume brauchen mit einheitlichen Standards. Darauf ließen sich komplexe Einsatzkonzepte entwickeln und abstimmen, der Innenminister sollte einen solchen Prozess in Gang setzen.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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