Frage: Herr Burg, wo waren Sie , als Izchak Rabin erschossen wurde?
Burg: Ich war auf dem Platz, auf dem die Friedensdemonstration stattfand. Ich ging mit meiner Frau und meinen vier Kindern zurück zum Auto, als ein befreundetes Knesset-Mitglied zu mir kam und sagte, es seien Schüsse gefallen. Niemand wusste, was passiert war. Ich habe den Kollegen Chaim Ramon angerufen, der mir sagte: „Sie haben Rabin erschossen.“
Frage: Wie hat diese Nacht Israel verändert?
Burg: Mit den Kugeln von Jigal Amir kam der Oslo-Prozess definitiv zu einem Ende. Mein Gefühl sagt mir aber, dass Oslo einen Selbstzerstörungsmechanismus in sich trug. Unter normalen Umständen hätte man erwartet, dass die Ideologie und das soziale Umfeld, die Rabins Mörder Jigal Amir hervorgebracht haben, nicht wieder an die Macht kommen. Heute sind sie an der Macht. Es war eine furchtbare Nacht, aber ich bin nicht sicher, dass sie neben der persönlichen und politischen Tragödie viel an der inneren Dynamik Israels verändert hat.
Frage: Sie würden nicht sagen, dass mit Rabin die Hoffnung auf Frieden starb?
Burg: Es gibt keinen Zweifel, dass Rabins Amtszeit in einer Hinsicht einzigartig war: Seit 1948, besonders seit 1967, hat Israel dieselbe Haltung gegenüber den Palästinensern in Israel und in den besetzten Gebieten gezeigt: Unterdrückt sie, ignoriert sie! Rabin hat diese Haltung dramatisch verändert. Er versuchte, sie aufzuwerten und einen fairen politischen Deal mit der Palästinenserbehörde zu finden. Das war einzigartig. Was mit Rabins plötzlichem Tod zu einem Ende kam, war dieser Wandel.
Frage: Ist mit Präsident Reuven Rivlin wieder jemand im Amt, der nach einer neuen Richtung sucht?
Burg: Was wir derzeit beobachten, ist der Bankrott der Zwei-Staaten-Lösung. Die Wahl Israels ist nicht mehr die zwischen zwei Staaten oder einem, sondern zwischen einem schlechten Staat und einem guten. Also sagt Rivlin: Wenn das die Wahl ist, lasst uns die Bedingungen verbessern und einen guten Staat daraus machen. Neu ist diese Idee nicht. Jetzt wird sie wieder aufgegriffen, weil die Idee der zwei Staaten vor unseren Augen stirbt.
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