Frage: Griechenland muss ab sofort ohne neue internationale Finanzhilfe auskommen. Wie stabil ist das Land wirklich?

Prof. Clemens Fuest: Griechenland hat von den Gläubigerstaaten in großem Umfang Kredite mit niedrigen Zinsen und Laufzeiten über mehrere Jahrzehnte erhalten, profitiert also noch lange von externen Hilfen. Diese Zeit muss das Land nutzen, um die noch immer hohen Staatsschulden abzubauen. Das funktioniert nur mit Fiskaldisziplin und Wirtschaftswachstum. Griechenland muss durch Stabilität und gute Rahmenbedingungen Investoren und qualifizierte Arbeitskräfte überzeugen, dass es sich lohnt, in Griechenland etwas aufzubauen. Dieser Weg ist nicht leicht, aber er ist der einzig sinnvolle.

Frage: Deutschland hat einen echten Schuldenschnitt abgelehnt, dafür den Ausstieg des IWF in Kauf genommen. Wäre ein großer Schuldenerlass nicht die bessere Lösung gewesen, damit das Land wieder auf die Beine kommt?

Prof. Fuest: Der wichtigste Fehler war, dass im Jahr 2011 die privaten Gläubiger zu sehr geschont wurden. Bei den Hilfskrediten, die andere Staaten gewährt haben, hat es verschiedene Laufzeitverlängerungen und Zinssenkungen gegeben. Die ökonomische Wirkung ähnelt einem Schuldenschnitt. Von Steuerzahlern anderer Länder zu verlangen, dass sie einen noch größeren Teil der Schulden Griechenlands übernehmen, stößt verständlicherweise auf Widerstände.

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Frage: Die griechische Wirtschaft ist nach wie vor nicht kräftig. Wie könnten die Europäer hier helfen, damit die Konjunktur anzieht?

Prof. Fuest: Griechenland erhält seit Jahrzehnten erhebliche Transfers aus dem EU-Haushalt, vor allem im Rahmen der EU-Regionalpolitik. Es mangelt nicht an Hilfen von außen; Wachstum erfordert aber stabile und attraktive Rahmenbedingungen in Griechenland. Dafür kann die griechische Politik nur selbst sorgen. Die Vorstellung, Griechenland könnte oder wollte von außen saniert werden, führt in die Irre.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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