Frage: Herr Professor Sternberg, laut Umfragen ist für die meisten Deutschen Ostern vor allem ein Familienfest. Nur jeder Vierte geht in die Kirche. Wie verbringen Sie persönlich die Ostertage?
Sternberg: Wir sind in der Regel Ostern mit der Familie zu Hause. Auch dieses Jahr wieder. Wir werden volles Haus mit den Kindern haben und die Osternacht ganz bewusst begehen. Wir werden wie immer am Karsamstagabend gemeinsam Lammbraten essen, ein wenig in Erinnerung an das jüdische Pessach, das letzte Abendmahl. Über alles Leiden und Probleme hinweg bleibt von Ostern die Botschaft der Gegenwart Gottes und eines Lebens über den Tod hinaus. Das kann eine tiefe Ruhe geben und Kraft und Zutrauen, sich für das Leben in jeder Form einzusetzen.
Frage: Für viele Menschen bedeutet Ostern vor allem ein paar Tage Ruhe, bunte Eier und Schokohasen. Wie reagiert die Kirche darauf?
Sternberg: Wir haben hier eine wirkliche Aufgabe. Nehmen Sie nur die vielen Menschen, die jetzt als Flüchtlinge und Asylsuchende zu uns gekommen sind und kaum Kontakt mit unseren christlichen Traditionen hatten. Woran sollen sie eigentlich erkennen, dass es sich bei Ostern um ein christliches Fest handelt? In Rundfunk und Fernsehen ist davon kaum noch etwas sichtbar. Wer neu in unser Land kommt, gewinnt den Eindruck, dass es vor allem ein Fest der Osterhasen, bunten Eier und Blumen ist. Dass es ein Fest der Auferstehung ist, das höchste Fest der Christen überhaupt, erfährt man nur, wenn man intensiv danach fragt.
Frage: Sie vermissen eine breitere Berichterstattung über Ostern in den Medien?
Sternberg: Ja, und das gehört auch zu den Aufgaben der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten, das Fest in den Nachrichten und Fernsehsendungen zu thematisieren. Es wird kaum noch auf das Osterfest hingewiesen. Wir sollten darauf viel stärker drängen. Der christliche Festgehalt sollte in einem immer weniger christlichen Umfeld auch aus kulturellen Gründen deutlich gemacht werden. Denn das reiche Brauchtum in der Passionszeit ist spannend, wird aber kaum überregional wahrgenommen. Es gibt eher Berichterstattung über Karfreitagsprozessionen in Lateinamerika als über Kar- und Osterbrauchtum bei uns. Wir müssen dafür sorgen, dass auch die Menschen, die zur Kirche keinen Kontakt haben, etwas davon erfahren, was wir an Ostern als das höchste Fest des Kirchenjahres und der Christenheit feiern.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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