Frage: Herr Janßen, Stichwörter wie Digitalisierung oder Industrie 4.0 sind in der Wirtschaft in aller Munde. Auf einmal ist das BFE einer der maßgeblichen Motoren in der Region, um die Sache in den Betrieben voranzubringen. Wie kam das?

Janßen: Das Bundeswirtschaftsministerium startete eine große Initiative, um die genannten Themen mit ihren neuartigen Prozessabläufen noch stärker in produzierenden Betrieben, auch im Handwerk eben, voranzubringen. Und wir wurden in Berlin als eine von nur vier Einrichtungen in ganz Deutschland – im Norden, Süden, Osten und Westen – dafür ausgesucht. Das BFE ist Teil des Kompetenzzentrums Digitales Handwerk. Wir sind also Ansprechpartner für Betriebe aus ganz Norddeutschland. Diese nationale Aufgabe haben wir hierher nach Oldenburg geholt, und darauf sind wir sehr stolz. Und so bekommen wir als echte Wissens-Schmiede ja auch eine ganz andere Aufmerksamkeit.

Frage: Inwiefern ist das Handwerk, speziell auch das Elektrohandwerk, denn wichtig im Zusammenhang mit der Digitalisierung der Wirtschaft?

Janßen: Wirtschaft ist ja nicht nur Software und Dienstleistung. Jemand muss die Produkte herstellen – unter sich drastisch verändernden Rahmenbedingungen, die von zunehmender Vernetzung der Beteiligten und der Anlagen geprägt sein wird. Speziell das Elektrohandwerk ist da ganz wichtig, Stichwort: Steuerungen, Verbindungen und Energie. Viele Themen gehen aber auch alle Sparten an: IT-Sicherheit gehört dazu. Betriebe, die sich stärker vernetzen wollen oder müssen, sollten Maßnahmen zur Sicherung ihrer Daten einleiten.

Frage: Was will das BFE in den nächsten drei Jahren – der Laufzeit des Schaufenster-Projektes – denn konkret leisten?

janßen: Wir werden einschlägiges Wissen aufbereiten und Transfers in die Betriebe anbieten. Etwa: Was ist erforderlich, und was kann man davon selbst erledigen? Dazu werden wir Veranstaltungen anbieten.

Frage: Digitalisierung und 4.0 – das hört sich sehr abstrakt an, speziell für das ja oft buchstäblich handfeste Handwerk.

Janßen: Die Entwicklung ist in der Praxis aber schon voll im Gange. Beeindruckend war für mich persönlich neulich zum Beispiel eine Vorführung der Firma Schulz Systemtechnik aus Visbek in Oldenburg. Die haben gezeigt, wie man mit einer Datenbrille in der Produktion arbeiten kann. Auf die Datenbrille wurden per Film Informationen gespielt, anhand derer ein Mitarbeiter Zutaten für ein bestimmtes Produkt, das ein Kunde wollte, aktuell zusammenstellte und verarbeitete. Das wäre so ein Beispiel für die Vernetzung von Kundenwunsch und zeitnaher Produktion.

Frage: Mancher Unternehmer sagt vielleicht: Das geht uns wenig an. Wir haben es schon immer so wie jetzt gemacht, und es läuft gut.

Janßen: Das ist ja manchmal auch tatsächlich so! Aber die Zeiten ändern sich. Dazu ein weiteres Beispiel. Als Präsident Obama in Deutschland war, bekam er einen Golfschläger geschenkt. Dieser Schläger war anhand von Körpermaßen, die online verfügbar waren, passgenau angefertigt. Und aufgedruckt war Obamas Satz: Yes, we can. Zugleich wurde klar: Ein solches – extrem individuell angefertigtes – Produkt muss nicht teurer sein als Massenproduktion. Solche Entwicklungen können das Handwerk und die ganze Wirtschaft revolutionär verändern. Denn bisher läuft ja vieles über eine lange Kette: Vom Kunden über einen Handwerksbetrieb, den er anspricht, zum Großhändler, der die Teile beschafft, zurück zum Handwerker, der das Produkt einbaut. Künftig könnte es viel direkter gehen.

Frage: Direkter, wie meinen Sie das?

janßen: Es geht zunehmend um den Transfer von Daten: die Digitalisierung. Beispiel: Ein Zimmerer soll einen Dachstuhl errichten. Immer häufiger bekommt er nun aus dem Rechner des Architekten, der einen schönen Entwurf erarbeitet, zeitgleich mit dem elektronischen Entwurf die Liste mit allen Komponenten und allen Maßen, absolut exakt, auf den Rechner und in seine Materialeinkaufs-Software. Er startet die Errichtung des Dachstuhls dann mit einem fertig an der Baustelle bereitliegenden Bausatz. Falls solche Formen der Vernetzung nicht genutzt werden, bekommt der entsprechende Betrieb eines Tages vielleicht gar nicht mehr den Auftrag. Es besteht also Handlungsbedarf.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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