Frage: Herr Professor Kreuzer, vorige Woche wurde in Hannover die Umwidmung des Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platzes in Hannah-Arendt-Platz beschlossen. Wie bewerten Sie die Umbenennung des Platzes in der Landeshauptstadt?

KREUZER: Diese Umbenennung ist zu begrüßen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn der Platz am Landtag in Hannover in seinem Namen jene Tradition politischer Philosophie und des in ihr sich äußernden demokratischen Bürgerbewusstseins symbolisiert, für die der Name von Hannah Arendt steht.

Frage: War die Umbenennung aus Ihrer Sicht erforderlich?

Kreuzer: Ich meine schon – Trotz der Bedeutung von Hinrich-Wilhelm Kopf für den Aufbau des heutigen Bundeslandes Niedersachsen lässt der lange Schatten, den seine Tätigkeit für das NS-Regime zwischen 1939 und 1943 in Polen wirft, die Umbenennung eines Platzes an symbolisch derart exponierter Stelle unvermeidlich werden.

Frage: Welche Bedeutung hatte Hannah Arendt für die Region Oldenburg oder anders gefragt: Warum gibt es in Oldenburg ein Hannah Arendt-Zentrum?

KREUZER: Es ist ein Glücksfall für die Carl von Ossietzky-Universität wie für die Region Oldenburg, dass mit dem Hannah Arendt-Zentrum eine Einrichtung angesiedelt ist, deren Arbeit einer Gestalt der Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts gilt, deren Werk und Nachlass zum „nationalen Kulturerbe“ gehören. Nicht nur für die Universität bedeutet die Präsenz des Zentrums deshalb ein erhebliches symbolisches Kapital. Durch die Zusammenarbeit mit dem Jaspers-Haus wie weiteren an der Universität angesiedelten Aktivitäten soll dieses Kapital noch stärker genutzt und auch öffentlich sichtbarer gemacht werden. In der Fakultät IV für Human- und Gesellschaftswissenschaften wird hierfür derzeit konkret an einem Forschungsschwerpunkt zur Ideengeschichte gearbeitet, der neben dem Jaspers-Haus und der Jaspers-Bibliothek etwa auch das in diesem Jahr eröffnete Erich-Auerbach-Archiv und die Adorno-Forschungsstelle umfasst.

Prof. Dr. Johann Kreuzerleitet das Hannah-Arendt-Zentrum an der Uni Oldenburg. Ein Schwerpunkt des Zentrums ist das Archiv, das den gesamten Nachlass von Hannah Arendt enthält.


  www.uni-oldenburg.de/ 
  hannah-arendt-zentrum 
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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