Frage: Welchen Stellenwert hat der ESC für Sie?
Stiller: Ich gehöre tatsächlich noch zu der Generation, die den totalen Hype erlebt hat. Früher war der ESC eher etwas für ältere Leute. Der Hype fing mit Guildo Horn an. Als 17-Jährige war ich dann auf einem solchen Massenevent. Dabei ging es weniger um die Songs als um die gute Stimmung. Das lässt zwar nach, aber man hat immer noch ein Auge darauf – und es interessiert mich auch.
Frage: Gibt es eine musikalische Entwicklung?
Stiller: Die Beiträge werden immer höher, größer und pompöser. Wenige konzentrieren sich auf einen guten Song. Doch genau darauf kommt es an. Das haben Lena Meyer-Landrut und Conchita Wurst gemeinsam: Sie sind authentisch und liefern ab. Die bombastischen Shows ziehen zwar sofort die Blicke auf sich und faszinieren, aber nur der richtige Song zur richtigen Zeit von dem richtigen Künstler kann gewinnen.
Frage: War das das Geheimnis von Lena Meyer-Landrut?
Stiller: Ja, selbst mit ihrem schlechten Englisch konnte sie gewinnen, weil der Song wie für sie gemacht war und sie ihn authentisch und sympathisch rübergebracht hat. Sie war zum Liebhaben. Über Nicole müssen wir gar nicht reden. Ein Mädchen mit Gitarre singt über den Frieden. Echter geht es nicht. Und genau so kann auch mal ein Underdog gewinnen.
Frage: Welche Chancen hat Deutschland in diesem Jahr?
Stiller: Zunächst einmal: Ich wünsche dem deutschen Team alles Gute und bin dabei auch patriotisch. Ich sehe aber, dass der Auftritt sehr konstruiert, sehr gedacht ist – auch mit dem „MeToo“-Hintergrund. Michael Schulte ist im vergangenen Jahr Vierter geworden – das war sehr echt. Die Leute merken, wenn es Fake ist. Ich hoffe, dass wir gut im Mittelfeld landen. Den Sieg wird jedoch ein anderes Land einfahren – Australien wird derzeit hoch gehandelt.
Frage: Was könnte das größte Problem der „Sisters“ werden?
Stiller: Die Mädels in diesem Jahr wurden zusammengecastet, kennen sich noch nicht so lange und sind nicht eingespielt. Es wird sehr choreographiert. Ich denke, dass andere Länder weiter vorn liegen. Lassen wir uns überraschen – auch das macht den ESC aus.
Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
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