Frage: Herr Dr. Friege, was haben Sie zuletzt fotografiert?

Friege: Ich war über Ostern mit meiner Frau in Spanien und habe in Nord-Katalonien in mittelalterlichen Städten fotografiert. Und bevor Sie fragen: Das Cewe Fotobuch ist noch nicht in die Tat umgesetzt, aber fest geplant.

Vom Buchclub zum Fotodienstleister

Dr. Christian Friege übernimmt beim Oldenburger Fotodienstleister Cewe zum 1. Juli den Vorstandsvorsitz. Der bisherige Vorsitzende der Neumüller Cewe Color Stiftung, Dr. Rolf Hollander (65), gibt sein Amt ab, nachdem er die bei Cewe geltende Altersgrenze erreicht hat. Die Neumüller Cewe Color Stiftung führt die Geschäfte der börsennotierten Cewe Stiftung & Co. KGaA.

Der 51 Jahre alte Friege ist seit Januar 2016 Vertriebsvorstand bei Cewe. Seine berufliche Karriere begann er bei Bertelsmann in Gütersloh, wo er zunächst als Assistent des Vorstandsvorsitzenden und später in New York und London tätig war. Dort verantwortete er als Geschäftsführer das Buchclub-Geschäft in Großbritannien und Irland. In der Folgezeit wechselte er als Vorstand zum Telekommunikationsunternehmen Debitel nach Stuttgart. Von 2008 bis 2012 stand er an der Spitze des Energieversorgers Lichtblick in Hamburg.

Der gebürtige Lübecker ist verheiratet und hat drei Kinder. Um abzuschalten, macht er gern Musik und singt in Oldenburg auch im Lamberti-Chor. „Ich habe Noten lesen können, bevor ich Buchstaben lesen konnte“, sagt er über sich.

Frage: Sie waren in Ihrer Karriere schon in Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bereichen tätig: im Buchclub-Bereich, für ein Telekommunikationsunternehmen, für einen Ökostromanbieter und jetzt mit Cewe für ein Unternehmen mit dem Schwerpunkt Fotofinishing. Gibt es da einen roten Faden?

Friege: Auf jeden Fall – und das auch schon seit meiner Zeit als Assistent an der Universität. An dem Lehrstuhl, an dem ich promoviert habe, haben wir uns viel mit Kundenorientierung und Servicequalität beschäftigt. Das hat auch meine Betrachtungsweise geprägt, dass der Kunde immer im Mittelpunkt stehen muss. Beispielsweise kann der Verkauf von Ökostrom nur funktionieren, wenn man eine hohe Kundenzufriedenheit hat und dadurch auch eine gute Markenbekanntheit erhält. Insofern zieht sich das Thema „Kunde im Zentrum der Unternehmensaktivitäten“ und „Kundenzufriedenheit als oberstes Ziel“ durch den ganzen Lebenslauf durch. Und das ist auch einer der Gründe, weshalb ich bei Cewe bin. Denn wir verfolgen bei Cewe ebenfalls Kundenzufriedenheit mit hoher Priorität.

Frage: Am 1. Juli rücken Sie an die Vorstandsspitze von Cewe. Wie groß sind die Fußstapfen Ihres Vorgängers, Dr. Rolf Hollander, der das Unternehmen als Vorsitzender über 15 Jahre maßgeblich geprägt hat?

Friege: Die sind wirklich sehr groß. Aber das Unternehmen ist von Dr. Hollander und den anderen Führungskräften in einem Wertesystem und in einem Verständnis über die Ziele geführt worden, hinter denen ich voll und ganz stehe. Deshalb glaube ich, dass wir auch in den nächsten 15 Jahren, auf dieser Basis aufbauend Cewe erfolgreich weiterentwickeln können.

Frage: Herr Dr. Hollander hat auf seiner letzten Bilanzpressekonferenz das Ziel ausgegeben, „das Unternehmen Jahr für Jahr wertvoller zu machen und unsere Aktionäre auch künftig an wachsenden Erträgen teilhaben zu lassen“. Teilen Sie diese Zielsetzungen und wie wollen Sie diese erreichen?

Friege: Ja, diese Zielsetzung teile ich uneingeschränkt und sie ist auch ein gemeinsames Verständnis der gesamten Führungsriege. Wir wollen das Unternehmen Jahr für Jahr wertvoller machen, indem wir wachsen. Wachsen heißt für mich aber nicht, dass wir im Umsatz Wachstum als Ziel per se verfolgen, sondern nachhaltig zulegen, die Kundenzufriedenheit weiter verbessern und so den langfristigen Ertrag steigern. Dann sind wir auch in der Lage, in Zukunftsprojekte zu investieren und haben die Möglichkeit, eine steigende Dividende anzustreben.

Frage: Cewe hat in den vergangenen acht Jahren die Dividende jeweils leicht erhöht. Das heißt, Sie werden diese „Tradition“ fortsetzen?

Friege: Diese „Tradition“ hängt natürlich erst einmal davon ab, was die Hauptversammlung beschließt. Was wir als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Cewe tun können, ist die Voraussetzung dafür zu schaffen. Was wir dafür tun, habe ich eben dargestellt und da werden wir uns natürlich weiterhin anstrengen.

Frage: Cewe hat den Fokus auf drei Geschäftsfeldern liegen: Fotofinishing, kommerzieller Online-Druck und Einzelhandelsgeschäft. Werden diese drei Säulen Cewe auch künftig weiter prägen?

Friege: Ich denke, dass wir in allen drei Säulen das Potenzial haben, uns weiterzuentwickeln. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit der zunehmenden Digitalisierung auch eine Welt sehen, in der die Kunden sich rückbesinnen auf erlebbare, anfassbare Werte. Die Menschen wollen etwas Individuelles, was sie selber gemacht haben. Wir sehen das etwa daran, dass die Cewe Fotobücher weiter stark gefragt sind und sich die Cewe Wandbilder und viele andere Produkte sehr erfreulich entwickeln. Insofern bin ich fest davon überzeugt, dass wir im Fotofinishing auch in der langfristigen Perspektive noch Wachstumspotenzial haben.

Frage: Und im Einzelhandel und im Online-Druck?

Friege: Im kommerziellen Online-Druck sehen wir ein deutliches Entwicklungspotenzial aus einem Trend zur Onlinebestellung von Offset-Drucksachen, von dem wir als einer der Marktführer in Europa offensichtlich profitieren. Und im Retail, im Einzelhandelsgeschäft, das wir in Skandinavien, Osteuropa und Oldenburg betreiben, nutzen wir unser Engagement, um nicht nur Geld zu verdienen, sondern auch, um dort die Marke Cewe zu positionieren und nach vorne zu stellen. Das macht sich auch im Ertrag unserer Einzelhandelsgeschäfte positiv bemerkbar.

Frage: Wo will Cewe weiter expandieren?

Friege: Wir sind, und das ist in der Cewe-DNA angelegt, immer zweigleisig unterwegs gewesen. Wir haben immer geguckt, dass wir organisch aus unseren Betrieben heraus wachsen. Und wir haben immer genau darauf geachtet, dass, wenn sich im Markt Opportunitäten für Zukäufe ergeben, wir diese wahrnehmen. So werden wir auch zukünftig verfahren, ohne dass wir momentan konkrete Pläne verfolgen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den NWZ-Wirtschafts-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Frage: Bislang hat sich Cewe auf Europa konzentriert. Wird sich das unter Ihnen ändern?

Friege: Nein. Wir haben so viele Chancen in Europa, da müssen wir uns nicht auf weite Wege machen. Wir haben es in unserem Geschäft auch mit einem kulturbehafteten Produkt zu tun. Und die Kultur in Rumänien oder Schweden ist uns näher, als wenn wir jetzt nach Indien, Mikronesien oder die Karibik abfahren. Wir verstehen hier in Europa die Märkte einfach besser.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.