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Frage: Herr Westerfellhaus, die Corona-Infektionszahlen steigen auf Rekordniveau. Droht jetzt wieder eine Isolierung in den Pflegeeinrichtungen?

Der Pflegeexperte der Regierung

Andreas Westerfellhaus (64) hat den Pflegeberuf von Grund auf erlernt. Er war zudem von 2001 bis 2008 Vize-Präsident und von 2009 bis 2017 Präsident des Deutschen Pflegerates. Seit 2018 ist er Pflegebevollmächtigter der Bundesregierung. Er lebt mit seiner Familie in NRW.

Westerfellhaus: Zu einer Isolation, wie wir sie im Frühjahr hatten, darf es nicht noch einmal kommen! Wir unternehmen alles, damit Besuche auch bei steigenden Infektionszahlen möglich bleiben.

Frage: Manche Pflegebedürftige und ihre Angehörigen haben sich zuletzt angesichts der Besuchsverbote machtlos und entmündigt gefühlt. Fehlte da nicht die Verhältnismäßigkeit?

Westerfellhaus: Mancherorts fehlte in der Vergangenheit sicher auch die Verhältnismäßigkeit. Mich haben da erschütternde Berichte erreicht. Oft fehlte es allerdings auch schlicht an Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Wenn die Menschen sehen, wie unterschiedlich die Bedingungen stellenweise für Besuche in vergleichbaren Einrichtungen sind, dann wird es natürlich schwer, solche Regeln zu akzeptieren. Deshalb möchte ich mit einer Handreichung, die wir dafür erarbeiten, für mehr Einheitlichkeit und Nachvollziehbarkeit sorgen.

Frage: Sie wollen ein einheitliches Besucherkonzept für Heime vorlegen. Was spricht gegen regional unterschiedliche Regeln?

Westerfellhaus: Gegen unterschiedliche Regeln spricht gar nichts, im Gegenteil. Besuchskonzepte müssen immer auf die Einrichtung und die Situation vor Ort abgestimmt werden. Aber bislang fehlt es an einer übergreifenden Grundlage dafür. Da haben sich auch viele Einrichtungen allein gelassen gefühlt. Deshalb wollen wir jetzt – wissenschaftlich untermauert mit Unterstützung des RKI – eine Handreichung erarbeiten, die die Einrichtungen für ihre Besuchskonzepte nutzen können.

Frage: Sind die Pflegeeinrichtungen ausreichend auf eine zweite Corona-Welle vorbereitet?

Westerfellhaus: Die Einrichtungen haben inzwischen viele sehr gute Konzepte entwickelt. Sie haben Schutzausrüstung vor Ort. Wir haben absehbar in der Fläche Schnelltests zur Verfügung. Die Situation ist damit überhaupt nicht mehr mit dem Frühjahr vergleichbar. Aber man muss auch ehrlich sagen: Wir leben immer noch in einer Pandemie, wir müssen immer weiter versuchen zu lernen, wie wir besser mit dem Coronavirus und seinen Folgen umgehen können.

Frage: Viele Pflegekräfte sind enttäuscht, erwarten jetzt nach dem Beifall von den Balkonen auch eine bessere materielle Anerkennung. Drohen da nicht Frust und Resignation?

Westerfellhaus: Ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung kann sicherlich die Zahlung einer kürzlich beschlossenen Prämie für die Beschäftigten in der Pflege sein. Vor allem brauchen wir aber in allen Bereichen der Pflege flächendeckende Tarifverträge und gute Arbeitsbedingungen. Das sind die Grundlagen, um weiterhin motivierte Pflegekräfte zu gewinnen und im Beruf halten zu können.

Frage: Sie beklagen einen Fachkräftemangel in den Kliniken. Wie groß ist die Lücke?

Westerfellhaus: Die drohende Gefahr eines Fachkräftemangels ist immer die Gefährdung der Patientenversorgung. Um die zu verhindern, hat der Gesetzgeber Personaluntergrenzen beschlossen, die als absolutes Minimum für einige Bereiche festgelegt wurden. Diese können aber nur eine Übergangslösung sein und müssen durch ein Personalbemessungsinstrument abgelöst werden, das sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf der Patienten orientiert. Da wir aber in allen Versorgungsbereichen der Pflege mehr Fachkräfte brauchen, weise ich auch immer wieder darauf hin, dass wir endlich eine Neuorganisation der Aufgabenverteilung im Gesundheitswesen brauchen.

Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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