Frage: Herr Hollmann, in Syke hat jüngst eine Windenergieanlage gebrannt. Sie sind Sachverständiger für elektrische Anlagen und Feuerwehrmann. Was kann die Feuerwehr bei solchen Bränden tun?
Hollmann: Leider nichts. Bei den älteren, kleineren Anlagen hätte man noch mit eingebauten Steigleitungen arbeiten können. Das ist heute nicht mehr möglich, weil die Anlagen einfach zu hoch sind.
Frage: Also was tun?
Hollmann: Weiträumig absperren und eine Brandausbreitung verhindern. Wenn ein brennender Flügel abstürzt, kann es ja zu einem Flächenbrand kommen. Manche Windenergieanlagen-Hersteller bieten auch eine eingebaute Löschanlage an, aber die ist optional.
Frage: Schauen Sie sich die Anlagen dennoch bei Übungsdiensten an?
Hollmann: Ja, die anderen Ortsbrandmeister und ich sind immer bemüht, die Kameraden in verschiedene Szenarien einzuweisen. Ortskenntnis ist in unserer Arbeit besonders wichtig. Zudem sind Feuerwehrleute neugierig, sie wollen immer was lernen. Deswegen begehen wir auch Photovoltaik- und Biogasanlagen.
Frage: Photovoltaik-Anlagen können Sie ja zumindest einfacher löschen. . .
Hollmann: Die sind zumindest weiter unten. Aber: Bei Windenergie ist es so, dass keine elektrische Energie mehr vorhanden ist, wenn die Anlage steht und vom Netz ist. Photovoltaik ist da etwas gemeiner. Selbst wenn das Netz weggeschaltet ist, produzieren die Module Energie, sobald die Sonne drauf scheint. Da muss man genau wissen, wo man was anfassen darf. Zum Glück haben wir bei uns in der Wehr ein paar Atemschutzgeräteträger, die Elek­trofachkräfte sind und sowas auch fachmännisch abklemmen können. Ansonsten muss da der Fachmann ran. Schlimmer sind die Energiespeicher.
Frage: Warum?
Hollmann: Photovoltaik-Anlagen sehe ich. Den Energiespeicher, den manche dann noch im Keller haben, den sehe ich nicht. Die müssen auch nicht gekennzeichnet werden von außen. Da bin ich darauf angewiesen, dass mir zum Beispiel der Hauseigentümer sagt, dass da noch was im Keller ist. Nur, wenn das eigene Haus brennt, denken Hausbesitzer an sowas natürlich nicht unbedingt. Außerdem gibt es bei Energiespeichern das gleiche Problem wie bei bei E-Autos.
Frage: Das da wäre?
Hollmann: Lithium-Ionen-Akkus. Erinnern Sie sich noch an den Chemieunterricht?
Frage: Eher nicht, nein. . .
Hollmann: Die Knallgasprobe nach dem Alkalimetallversuch! Wenn Sie Natrium oder Lithium mit Wasser in Berührung bringen, dann sausen die Metallstückchen auf dem Wasser hin und her und dann knallt es. Dabei wird auch Wasserstoff freigesetzt.
Frage: Also E-Autos nicht mit Wasser löschen?
Hollmann: Leider gibt es aktuell keine andere Möglichkeit. Die offizielle Empfehlung ist: viel, viel Wasser. Dann wird der freigesetzte Wasserstoff gebunden.
Frage: Das klingt nicht zufriedenstellend. . .
Hollmann: Ist es auch nicht. Es gibt etwas auf dem Markt und weder Hersteller noch Feuerwehr wissen genau, wie sie damit am besten umgehen sollen. Noch ist die Zahl der E-Autos gering, aber für die Zukunft hoffe ich, dass wir da eine andere Löschtechnik an die Hand bekommen.
Frage: Sind Biogasanlagen auch so kompliziert?
Hollmann: Nein, da sind wir ganz ruhig. Die Betreiber laden uns immer ein und sagen: ,Schaut euch die Anlage an!’ Die Biogasanlagen in unseren Beritt kennen wir alle gut und wissen, was uns erwartet. Hier werden auch keine Anlagen mit Nahrungsresten betrieben. Solche Anlagen sind etwas gefährlicher, weil die Nahrungsreste miteinander reagieren können.
Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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