Frage: Herr Johnston, nach dem Tod von US-Senator John McCain kommt keinerlei Würdigung von Donald Trump, mit wenigen Worten kondoliert der US-Präsident per Twitter der Familie. Was steckt dahinter?

Johnston: Dass Trump keine würdigenden Worte für die herausragenden Leistungen McCains findet, ist erbärmlich, aber keine Überraschung. McCain hatte Trump immer wieder vorgeführt, vor allem dessen verheerende Außenpolitik scharf kritisiert. McCain hatte als Kriegsveteran große Erfahrung, Trump wirkt demgegenüber wie ein dummer Schuljunge. Mit McCain haben die Republikaner einen ihrer weisesten Außenpolitiker verloren. Der verstorbene Senator hat Trump verachtet und vor seinem Tod festgelegt, dass der Präsident nicht zu seiner Beerdigung kommen darf. Das sagt alles.

Frage: Wird McCains Tod politische Konsequenzen haben?

Johnston: Trump dürfte insgeheim jubeln. Als Vorsitzender des Streitkräfteausschusses war McCain bis zuletzt ein politisches Schwergewicht und nutzte seinen Einfluss, um den US-Präsidenten in die Schranken zu weisen. Den Posten übernimmt mit dem Republikaner James M. Inhofe nun ein Claqueur Trumps. Es ist absehbar, dass das den Widerstand gegen die irrlichternde Sicherheitspolitik des Präsidenten weiter schwächen wird.

Frage: Muss Trump nach den Vorwürfen seines Ex-Anwalts Michael Cohen, er habe im Wahlkampf Schweigegeld an Frauen gezahlt, um sein Amt bangen?

Johnston: Cohens Geständnis bringt Trump in ganz massive Schwierigkeiten. Es verdichten sich die Hinweise, dass der US-Präsident mehrere schwere Verbrechen in Auftrag gegeben hat. Das gibt den Demokraten Munition für ein Amtsenthebungsverfahren wegen Hochverrats oder Amtsvergehen. Theoretisch könnte dies in eine Prozess und in eine Verurteilung Trumps zu einer Haftstrafe münden. Allerdings gibt es eine Debatte darüber, ob ein amtierender Präsident angeklagt werden kann.

Frage: Für den Start eines Amtsenthebungsverfahrens brauchen die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus…

Johnston: Gemäß der politischen Gemengelage und des geschichtlichen Kreislaufes müssten die Demokraten die Zwischenwahlen im Herbst gewinnen – im Repräsentantenhaus und im Senat. Das Problem ist: Seit Jahrzehnten versäumt es die Partei, ihre Wähler zu mobilisieren und dafür zu sorgen, das ausreichend Offizielle die Stimmabgabe überwachen. Allerdings treten diesmal viele Frauen an, die von örtlichen Initiativen unterstützt werden. Die Demokraten haben offenbar verstanden, dass man die Menschen vor Ort ansprechen muss, damit sie zur Wahl gehen.

Frage: Laut „Washington Post“ hat Trump in seiner Amtszeit schon mehr als 4000 Mal gelogen. Nun bezichtigt er selbst seinen Ex-Anwalt Cohen der Lüge. Wem ist eher zu trauen?

Johnston: Unter Trump ist die US-Politik zu einem Schmierentheater verkommen. Der Präsident hat die Republikaner – einst die seriöse Partei der Geschäftsleute und Konservativen – in einen Kultverein von Trump-Anhängern verwandelt. Immer mehr Prominente kehren der „Grand Old Party“ den Rücken. Einige Republikaner haben sogar zur Wahl demokratischer Kandidaten im November aufgerufen.

Frage: Trump-Gegner und ein Sonderermittler suchen fieberhaft nach Beweisen für illegale Russland-Verbindungen des Präsidenten. Werden sie noch etwas finden?

Johnston: Oh, es gibt schon viele Beweise für die Russland-Connection des Trump-Teams. Die offene Frage ist: Lassen sie sich so erhärten, dass der Präsident wegen Verrat, Bestechung oder Amtsvergehen angeklagt werden könnte. Denken Sie an eine E-Mail über ein Treffen einer russischen Delegation mit Donald Trump Junior, die im Juni 2016 aufgetaucht war. Darin ist von „sensiblen Informationen von höchster Ebene“ über „die Unterstützung von Herrn Trump durch Russland und seine Regierung“ die Rede. In den USA ist es streng verboten, im Wahlkampf irgendetwas Wertvolles von einer ausländischen Regierung anzunehmen. Trump und seine Familienangehörigen haben mindestens sieben verschiedene Geschichten über das Treffen von Trumps Sohn mit den Russen präsentiert. Jede neue Version widerspricht der vorherigen. Ich erwarte, dass Donald Trump Junior deswegen angeklagt werden wird.

Tobias Schmidt Korrespondentenbüro Berlin
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