Lars Leopold
„Im Landtag fehlt eine echte soziale Opposition“

Lars Leopold ist neuer Vorsitzender der Linken in Niedersachsen. Im Interview wirbt er für „echten Politikwechsel“.

Bild: Lars Laue
Neuer Linken-Chef: Lars LeopoldBild: Lars Laue
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Frage: Herr Leopold, was hat Sie bewogen, für den Landesvorsitz der Linken in Niedersachsen zu kandidieren?
Lars Leopold: Mein Ziel ist es, die Schlagkraft des Landesverbandes zu erhöhen und öffentlich wieder stärker wahrgenommen zu werden. Gerade mit dringenden Themen, die den Menschen unter den Nägeln brennen, wie Altersarmut, explodierende Mieten und die Pflegepolitik – also unseren sozialen Kernkompetenzen – wollen wir für einen echten Politikwechsel werben, der so nötig wäre für unser Land.
Frage: Wo liegen Ihre inhaltlichen Schwerpunkte?
Leopold: Meinen Schwerpunkt sehe ich in der Sozialpolitik. Die zunehmende Armut – damit verbunden auch die Zunahme der Kinderarmut – in unserem Land ist besorgniserregend. Da ist es doch beschämend, wenn sich zum Thema Kinderarmut im
Koalitionsvertrag der rot-schwarzen Koalition nicht ein Wort findet. Statt ein verfassungsrechtlich höchst bedenkliches Polizeigesetz gegen jegliche Expertenkritik durchzudrücken, sollte die Landesregierung für deutlich mehr soziale Sicherheit sorgen. Eine flächendeckende und wirksame Mietpreisbremse, aber auch die Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit sollten hier als erste Schritte angegangen werden.
Frage: Aktuell sind die Linken bekanntlich nicht im niedersächsischen Landtag vertreten. Wie wollen Sie das ändern?
Leopold: Den Wiedereinzug in den Landtag haben wir letztes Jahr denkbar knapp verpasst. Das ist bitter. Angesichts des Stimmenzugewinns
im Vergleich zur Wahl 2013 bin jedoch überzeugt davon, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Im Landtag fehlt doch eine echte soziale Opposition, eine Stimme für die Mehrheit der Menschen bei uns im Lande. Deshalb wollen wir – gern gemeinsam mit
außerparlamentarischen Akteuren wie Gewerkschaften und Sozialverbänden – genau die Probleme und Sorgen ansprechen, die die Menschen in diesem Lande wirklich umtreiben. Die maroden Schulen, fehlende Kita- und Krippenplätze, explodierende Mieten, aber auch die strukturell unterfinanzierten Kommunen gehören endlich wieder auf die politische Tagesordnung.
Frage: Der Landesverband hat derzeit knapp 3100 Mitglieder – wo sehen Sie die Mitgliederzahl in einem Jahr?
Leopold: Mittlerweile sitzt mit der AfD eine offen fremdenfeindliche Partei auch im niedersächsischen Landtag: Immer mehr Menschen wollen den zunehmenden Rechtsruck und die wachsende soziale Ungerechtigkeit nicht mehr tatenlos hinnehmen und engagieren sich deshalb in unserer Partei. So konnten wir seit letztem Jahr rund 600 neue Mitglieder begrüßen. Ich hoffe, dass dies so bleibt und plädiere dafür, auch mit gemeinsamen Festen, mit Sportveranstaltungen und mit Kultur Lust auf und Spaß an der Parteiarbeit zu verbreiten. Ich bin mir sicher, dass wir so auch neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter gewinnen können. Linke Politik muss erlebbar sein, aber sie muss eben auch Spaß machen. Eine Partei, die zum Lachen in den Keller geht, ist genau so wenig attraktiv wie ein staubiger Feldweg.
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