Frage: In Oldenburg hat kürzlich eine Fachtagung zum Thema „Umgang mit Tod und Trauer am unmittelbaren Anfang des Lebens“ gegeben. Wie kann eine betroffene Familie denn unterstützt werden?

Renate Lohmann: Als Freunde oder auch Verwandte einer Familie, in der ein Kind ganz früh verstirbt oder aber sehr schwer erkrankt, ist das Dasein und sich Kümmern ganz wichtig. Also nicht sagen: Wenn was ist, ruf mich an, sondern eher von sich aus auf die Familie zugehen. Den Kontakt halten, etwas Gutes tun, den Rasen mähen, die Familie entlasten und unterstützen. Oft fehlt den Betroffenen die Energie, um aktiv auf jemanden zuzugehen oder auch der Mut, um zu fragen. Deshalb ist es wichtig sich nicht zurückzuziehen sondern zu fragen, was brauchst du. Konkrete, praktische Hilfen sind am besten und ein Stück Alltag mitbringen, damit die Betroffenen sich aufgehoben und geborgen fühlen und Zuversicht entstehen kann.

Frage: Wie werden Haupt- und Ehrenamtliche ausgebildet?

Mithilfe gewünscht

Renate Lohmann ist nicht nur die Leiterin der Stiftung Hospizdienst Oldenburg, sondern auch für die Trauerbegleitung zuständig.

Wer sich für die Hospizarbeit interessiert, kann sich telefonisch montags von freitags (9 bis 12 Uhr) unter 7 70 34 60 melden.

Lohmann: Wir haben Vorbereitungskurse und da setzten wir uns mit diesen Themen auseinander und schauen, wie wir unterstützen können und selbst mit uns im Reinen bleiben. Wenn wir zu betroffen sind, dann verunsichern wir und können nicht richtig helfen. Damit setzen wir uns in diesen Kursen auseinander. Begleitend haben wir außerdem Supervision, in der wir gemeinsam darüber sprechen, was uns berührt und uns immer wieder austauschen.

Frage: Wie oft kommt es in Oldenburg vor, dass Kinder schwer krank sind oder versterben?

Lohmann: Genaue Statistiken habe ich darüber nicht. Aber so ganz selten ist das nicht, denn durch die medizinische Entwicklung haben wir zum Beispiel mehr Frühchen, was vor zehn Jahren so noch nicht möglich war, weil sie nicht versorgt werden konnten. Auf der einen Seite ist das natürlich sehr gut, auf der anderen Seite bedeutet das aber auch, dass die Säuglingssterblichkeitsrate nicht so klein ist. Deshalb ist das Thema der palliativen Geburtsbegleitung sehr wichtig geworden. Denn es geht darum, zu überlegen, wie die Eltern betreut werden können, wenn anzunehmen ist, dass das Kind die Geburt nicht überlebt oder aber bereits in der Schwangerschaft verstorben ist. Auch dann muss es für die Eltern möglich sein zu trauern. Vor 40 Jahren wurden diesen Kindern und den Eltern wenig bis keine Beachtung geschenkt, mittlerweile sehen die Eltern das Kind und so kann der Trauerprozess ganz anders eingeleitet werden. Es hat sich schon viel getan, aber es muss auch noch weitergehen.

Frage: Wie unterscheidet sich die palliative Geburtshilfe von der üblichen Hospizbetreuung?

Lohmann: Prinzipiell und im Grundsatz ist das nicht anders, doch jeder Fall ist natürlich individuell unterschiedlich. Als Begleiterin muss ich mich immer drauf einlassen, dasein und mit mir im Reinen sein. Es sind natürlich andere Lebensveränderungen und -umstände, wenn ich in der Geriatrie, also der Betreuung von alten Menschen, arbeite oder aber mit jungen Kindern. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt immer darauf, das Leben wertzuschätzen, so kurz es auch ist, und neben all der Symptombeschreibungen und Medizin den Menschen dahinter zu sehen, um Zuversicht und Geborgenheit vermitteln zu können.

Frage: Einer der möglichen Ansätze zur Betreuung von Eltern ist ein sogenannter körperorientierter Zugang. Was verbirgt sich dahinter?

Lohmann: Über diesen Ansatz hat ein Physiotherapeut bei der Fachtagung gesprochen, der nicht per se mit sterbenden Kindern zu tun hat, sondern eine sogenannte Schreiambulanz hat. Er meint, dass Eltern das Kühlsystem für die Kinder sein müssen. Kinder können sich schließlich nur übers Schreien ausdrücken. Das Kühlsystem kann aber nur funktionieren, wenn die Eltern mit sich in Balance sind und im Kontakt zu ihrem eigenen Körper stehen. Über die Körperarbeit können wir die Kinder dann annehmen, wie sie sind. Auch da geht es wieder darum, Geborgenheit zu schaffen.

Frage: Wie kann jemand, der ehrenamtlich helfen möchte, in die Hospizarbeit einsteigen?

Lohmann: Alle Ehrenamtlichen beginnen bei uns im Erwachsenenbereich mit dem Vorbereitungskurs. Darauf aufbauend gibt es dann eine Familienbegleiterschulung. Kurse finden wieder im Sommer statt und jeder der Interesse hat, kann sich bei uns melden. Wir sind auch immer auf der Suche nach jüngeren Mitarbeitern, denn gerade Kinder und Jugendliche freuen sich über den Kontakt zu Gleichaltrigen. Prinzipiell ist jeder geeignet, der mobil ist und Zeit hat. Interessierte können jederzeit anrufen und ein erstes Informationsgespräch mit uns führen.

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Frage: Welche Angebote gibt es bereits für Betroffene?

Lohmann: Wir haben eine Gruppe für verwaiste Eltern, deren Kinder im Erwachsenenalter gestorben sind und eine spezielle Gruppe für Eltern, deren Kinder sehr früh, also schon unter der Schwangerschaft oder kurz danach verstorben sind. Betroffene können sich natürlich auch jederzeit bei uns melden.

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Lina Brunnée Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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