Frage: Was erwarten Sie von der Entscheidung in Karlsruhe?
Montgomery: Wir hoffen sehr, dass das Bundesverfassungsgericht die im Jahr 2015 nach einer intensiven parlamentarischen und gesellschaftlichen Debatte beschlossene gesetzliche Regelung zu Sterbehilfevereinen nicht zur Disposition stellt. Was oft übersehen wird: Der Bundestag hatte seinerzeit nicht nur den Paragrafen 217 des Strafgesetzbuches geändert. Er hat auch ein Gesetz zu Verbesserung der Palliativmedizin und der Hospizarbeit verabschiedet. Beide Gesetze gehören für mich untrennbar zusammen.
Frage: Nicht nur Patienten, auch Palliativmediziner haben Beschwerde eingelegt, weil ihnen die Regelung zu weit geht. Eine berechtigte Sorge?
Montgomery: Nein. Ich glaube nicht, dass das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe die Palliativmedizin in Deutschland beeinträchtigt. Wir haben mit den Regelungen im Paragraf 217 klare strafrechtliche Vorgaben zur geschäftsmäßigen Sterbehilfe und wir hatten auch schon vor dieser Neuregelung klare Vorgaben in unseren Berufsordnungen, was Ärzte dürfen und was nicht. Die Tötung des Patienten, auch wenn sie auf dessen Verlangen erfolgt, und die Beihilfe zum Suizid gehören nach den Berufsordnungen aller Ärztekammern in Deutschland nicht zu den Aufgaben von Ärzten.
Frage: Warum nicht auch hierzulande mehr Selbstbestimmung für Unheilbare und die Zulassung etwa von Sterbehilfe-Vereinen wie etwa in der Schweiz?
Montgomery: Sterbehilfevereine sind der völlig falsche Weg. Hier kommen immer ein Pseudo-Altruismus auf der einen Seite und Geschäftsinteressen auf der anderen Seite zusammen. Diese Vereine mögen einen schnellen Exit ermöglichen, sterbenskranke Menschen brauchen aber palliativmedizinische Hilfe und vor allem menschliche Zuwendung. Uns besorgt aber noch ein weiterer Aspekt: Wird Suizidhilfe zum akzeptierten Spektrum ärztlicher Tätigkeit erklärt, könnte an alle Ärztinnen und Ärzte die Erwartung gerichtet werden, dass sie bei der Selbsttötung medizinisch unterstützen müssten. Eine solche Erwartung steht aber im klaren Widerspruch zur medizinisch-ethischen Grundhaltung der Ärzteschaft.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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