Frage: Herr Gauweiler, würde sich Franz Josef Strauß nicht heute, 30 Jahre nach seinem Tod, im Grabe umdrehen, wenn er die Entwicklung in Deutschland und die Lage der CSU sehen würde?

Gauweiler: Bei Strauß würde vor allem die tiefe Befriedigung überwiegen, dass seine Politik so erfolgreich war: Wenn er wüsste, dass sogar aus der Sowjetunion ein ökonomisch geöffnetes Russland wurde, das heute trotz aller Schwierigkeiten Mitglied der Europäischen Menschenrechtskonvention ist, dass Deutschland wiedervereinigt wurde, dass Bayern heute zu einer der erfolgreichsten Regionen Europas aufgestiegen ist – das könnte und kann er mit vollem Recht als Konsequenz seiner Politik sehen.

Frage: Wenn man sich die aktuellen Umfragewerte und den Zustand der CSU ansieht – wird da nicht gerade das Erbe von Strauß verspielt?

Gauweiler: Die CSU wird bei der Landtagswahl viel besser abschneiden. Ich wette, die Umfragewerte werden sich wieder als so wenig zuverlässig erweisen, wie sie 2017 waren: Jedes Mal lagen die Demoskopen grausam falsch.

Frage: Warum gilt Strauß bis heute als „Übervater der CSU“?

Gauweiler: Das ist wie beim Bürgertum Frankreichs mit Charles de Gaulle, in Großbritannien bei den Tories mit Winston Churchill oder bei der CDU mit Konrad Adenauer. Politische Gestalter als Ausnahmeerscheinungen. Sie stehen wie Solitäre in der Landschaft. Von Franz Josef Strauß wird man so lange sprechen, solange es ein Land namens Bayern gibt.

Frage: Franz Josef Strauß hat immer gesagt, rechts der Union dürfe es keine demokratisch legitimierte Kraft geben. Heute ist die AfD im Bundestag. In Bayern plakatiert sie etwas perfide: „Strauß würde die AfD wählen“. Ist das so?

Gauweiler: Wer in Bayern AfD wählt statt CSU, wählt im Ergebnis Rot/Grün! Wie richtig Strauß’ damalige Analyse war, sieht man heute an der Zersplitterung der Parteienlandschaft. In ihren besten Zeiten hatte die CSU 60 Prozent und mehr, die Sozialdemokraten waren fixiert auf 30 Prozent. Heute haben die Grünen 17 und die Sozialdemokraten 13 Prozent. Der Rest, also zwei Drittel der Wahlberechtigten, steht weiter ganz offensichtlich wie seit 50 Jahren fest im nicht-linken Lager. Also noch mal: Wer ganz rechts wählt, wählt links.

Peter Gauweiler (69) war von 2013 bis 2015 stellvertretender Parteivorsitzender der CSU.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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