Frage: Kein Ende des Brexit-Chaos in London. Theresa May ringt um einen Plan B zum gescheiterten Brexit-Abkommen mit der Union. Haben Sie noch Hoffnung auf eine Lösung in letzter Minute?
Lambsdorff: Wenig, leider. Die Briten sagen ja nicht, was sie wollen, nur, was sie nicht wollen. Brüssel seinerseits kann die Sonderregelung zur Grenze zwischen Irland und Nordirland, den Backstop, nicht aufgeben. Der Versuch von Theresa May, stattdessen ein Abkommen mit den Iren direkt auszuhandeln, ist von Dublin sofort zurückgewiesen worden. Nach EU-Recht wäre das sogar verboten. Ich habe also wenig Hoffnung, dass das gesamte Abkommen noch gerettet werden kann. Die Bundesregierung muss deshalb jetzt endlich mit Vorbereitungen auf einen harten Brexit beginnen.
Frage: Sollte die EU den Briten weiter entgegenkommen?
Lambsdorff: Wenn das so einfach wäre. Die Briten haben uns vor zwei Jahren gesagt, was sie alles nicht wollen: Sie wollen nicht mehr in der EU sein, nicht mehr im Binnenmarkt, nicht länger in der Zollunion, und sie wollen auch keine harte Grenze auf der britischen Insel. Brüssel ist ihnen da so weit wie möglich entgegengekommen. Mir ist einfach nicht klar, was der EU-Brexit-Beauftragte Michel Barnier London noch anbieten sollte, damit die Briten dem Brexit-Abkommen zustimmen würden. Wir sollten uns keine Illusionen machen.
Frage: Kommt am Ende womöglich doch noch ein zweites Referendum über den Brexit?
Lambsdorff: Ich habe große Sympathien dafür. Unsere Schwesterpartei, die britischen Liberaldemokraten, kämpfen nach wie vor darum. Aber die beiden großen britischen Parteien sind dagegen. Da gibt es eine ideologische Blockadehaltung. Deshalb sehe ich keine Chance für ein zweites Referendum.
Frage: Wie hart wird uns der Brexit treffen?
Lambsdorff: Niemand wird durch den Brexit gewinnen. Es ist eine klassische Lose-lose-Situation, aber wir werden damit zurechtkommen. Von den deutschen Exporten gehen 60 Prozent in die EU insgesamt, davon wiederum nur sechs Prozent nach Großbritannien. Das wird sich zwar negativ auswirken, aber das Schiff der deutschen Wirtschaft nicht allzu heftig ins Schaukeln bringen.
Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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