Das macht auf Dauer unzufrieden

Bild: Jutrczenka
Bild: Jutrczenka
Keine Freiartikel mehr in diesem Monat.

Bereits NWZ-Abonnent?

Jetzt anmelden

Noch nicht registriert?

Als Abonnent der Nordwest-Zeitung und des NWZ-ePapers haben Sie den vollen Zugriff nach einmaliger Freischaltung bereits inklusive!

Zugang freischalten

Noch nicht registriert?

Als Abonnent der Nordwest-Zeitung und des NWZ-ePapers haben Sie den vollen Zugriff nach einmaliger Freischaltung bereits inklusive!

Zugang freischalten
Frage: Herr Westerfellhaus, drei Viertel der Pflegefachkräfte fühlen sich bei ihrer Arbeit oft gehetzt und überfordert, viele haben ein schlechtes Gewissen, zeigt eine „Verdi“-Umfrage. Ist das nicht ein Alarmsignal?
Westerfellhaus: Die Umfrage untermauert das mit Zahlen, was viele vermuten. Und es deckt sich mit meinen Beobachtungen in der Branche. Alle Pflegende haben einen hohen Anspruch an eine qualitative Patientenversorgung. Wegen des Zeitdrucks und fehlender Kollegen können sie dem aber oft nicht entsprechen. Das macht auf Dauer unzufrieden.
Frage: Die Gewerkschaft pocht auf Lohnerhöhungen, die privaten Arbeitgeber verweisen auf zuletzt schon deutlich gestiegene Gehälter, etwa in der Altenpflege. Wie können die Arbeitgeber dennoch überzeugt werden?
Westerfellhaus: Flächendeckende Tarifverträge gehören zur Grundausstattung, das ist klar. Derzeit haben wir aber extreme tarifliche Verwerfungen in den Ländern. In Niedersachsen erhält eine Altenpflegekraft fast 500 Euro brutto weniger als eine in Nordrhein-Westfalen. Dass sich einige Arbeitgeber weigern, insgesamt verbindliche Tarifverträge abzuschließen, ist daher unverständlich, zumal der Gesetzgeber dafür gesorgt hat, dass es refinanziert wird. Ich finde es zynisch, unterbezahlten Pflegekräften zu sagen, dann sollen sie einfach den Job wechseln, der Markt regelt das schon. Gerade in ländlichen Regionen gibt es kaum berufliche Alternativen. Zwar sind Lohnverhandlungen die Aufgabe der Tarifpartner. Die Politik hat aber die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu setzen, was erfolgt ist. Die Verhandlungspartner müssen aber selbst dringend zu Ergebnissen kommen, sonst ist die Politik gefordert.
Frage: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will Personaluntergrenzen in Krankenhäusern einführen. Wie sollen die definiert werden?
Westerfellhaus: Die Selbstverwaltungspartner – die gesetzlichen Krankenkassen und auch die Kliniken – waren aufgefordert, diese Untergrenzen festzusetzen, also auch den Pflegeaufwand zu beschreiben. Doch die Selbstverwaltung hat es zum Sommer nicht geschafft, sich zu einigen. Das ist beschämend. Deswegen hat der Minister nun selbst Vorschläge für Personaluntergrenzen vorgelegt. Das Ziel ist, das bis zum 1. Januar 2019 für vier Bereiche und im Anschluss für alle bettenführenden Abteilungen festzusetzen. Das kann natürlich nicht überall ein gleicher Schlüssel sein. Wo es etwa mehr Demenzerkrankte gibt, ist der Aufwand natürlich höher.
Das könnte Sie auch interessieren