Frage: In wenigen Tagen beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Wie ist die Stimmung im Land? Hat das WM-Fieber schon Óbidos erreicht?
Bahlmann: Das WM-Fieber ist in Brasilien noch nicht wirklich aufgekommen, auch wenn die Medien viel dafür zu machen versuchen. Die Menschen reagieren bislang sehr verhalten. Wir in Óbidos sind eigentlich weit weg vom Trubel. Die Stimmung im Land ist sehr gemischt und verhalten. Man weiß auch nicht genau, was passiert. Es wird immer wieder zu Demonstrationen aufgerufen, zum Beispiel von der organisierten Kriminalität in den Gefängnissen. Da steht der Aufruf an alle Brasilianer im Raum, gleichzeitig alle elektrischen Geräte einzuschalten, damit es zu einem Blackout kommt. Hinzu kommen die vielen Korruptionsaffären in den Kreisen der Regierung oder FIFA. Deren Präsident Joseph Blatter hat sich auch nicht gerade von der besten Seite gezeigt. Deswegen ist bislang noch keine besonders gute Stimmung im Land. Aber das kann sich in den kommenden Tagen noch ändern.
Frage: In den deutschen Medien wird auch über das über 205 Millionen Euro teure Stadion von Manaus berichtet, in dem lediglich vier Spiele stattfinden werden. Wie beurteilen Sie selbst diese Investition?
Bahlmann: Ich sehe das sehr kritisch. Manaus braucht sicher kein derart teures Stadion. Diese Frage stellt sich aber ohnehin auch bei vielen Stadien. Gibt es hinterher eine entsprechende Nutzung? Oder sind das hinterher nur Komplexe, die dem Verfall preisgegeben werden, wie zum Teil in Südafrika. Mitunter stehen hier bei uns neben den neuen Stadien zerfallene Schulen. Auch das Gesundheitswesen und die Infrastruktur lassen in unserem überwiegend armen Land noch viel zu wünschen übrig. Hinzu kommt die große Korruption bei den großen Bauprojekten.
Frage: Sie sind in Deutschland geboren und haben einen brasilianischen Pass. Für welches Team schlägt in den kommenden Tagen Ihr Herz?
Bahlmann: Ich habe so zweimal die Chance, Weltmeister zu werden, mit Brasilien und mit Deutschland.

Bernardo Johannes Bahlmann aus Visbek (Landkreis Vechta) ist Bischof des am Amazonas gelegenen Würzburger Partnerbistums Óbidos in Brasilien. Der 54-Jährige Franziskaner berichtet über die Stimmung im südamerikanischen Land vor der Fußball-Weltmeisterschaft.

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